Ganzheit

Die Begriffe Ganzheit und Gänze (vgl. auch mittelhochdeutsch gentzlichkait ‚Gänzlichkeit‘) sind Abstrakta des Adjektivs ganz, das sich in der deutschen Sprache bereits vor dem 8. Jahrhundert n. Chr. nachweisen lässt. Das Adjektiv ganz bedeutet unter anderem heil, unverletzt und vollständig. Ganzheit wird verstanden als die Gesamtheit aller Teile oder die Einheit des in der Erfahrung Gegebenen. Sie bedeutet im physischen wie auch im moralischen Sinn Integrität, eigentliche Bestimmung und Vollkommenheit. „Ganz“ im Sinne der Antike unterscheidet sich von „Eins“ (hebr. אחד) durch die Narbe. Innerhalb der Medizin wird dieser Aspekt auch unter der Restitutio ad integrum abgehandelt. Also der narbenfreien Einheilung unter der man auch Eins werden oder Heil werden versteht.

  1. Vgl. etwa Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 385–386 (gantz: vollkommen, fertig; unversehrt, ganz; nicht verletzt, gesund, heil; mit Nennung von „ganzen“, lateinisch curare oder sanare, und „gentzlichkeit“, lateinisch sanitas ‚Gesundheit‘).
  2. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. De Gruyter, Berlin 1999, S. 298.
  3. Angelica Nuzzo: Ganzes/Teil. In: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie. Band 1. Meiner, Hamburg 1999, Sp. 410.