Generalplan Ost
Unter dem Begriff Generalplan Ost (GPO) werden eine Reihe von Plänen, Planungsskizzen und Vortragsmaterialien zu einer möglichen neuen Siedlungsstruktur im Rahmen der nationalsozialistischen „Ostpolitik“ zusammengefasst. Diese theoretischen Konzepte bildeten auf der Grundlage der NS-Rassendoktrin eine Planungsgrundlage für:
- Genozid und „Entvölkerung“ großer Teile Polens, der Ukraine, Weißrusslands und Russlands
- Ermordung von bis zu 50 Millionen Slawen aus Bevölkerungsgruppen, die für eine zukünftige Siedlungsstruktur als „nicht geeignet“ angesehen wurden
- Versklavung der Überlebenden
- Nutzung der bestehenden KZ‑Infrastruktur für Massenmord, Zwangsarbeit und „Aussortierung“
- deutsche Kolonisierung und „Germanisierung“ der entvölkerten Gebiete in Ostmittel- und Osteuropa.
Derartige Schriften wurden seit Frühjahr 1940 durch das Planungsamt des Reichskommissariats für die Festigung deutschen Volkstums (RKF), die Planungsgruppe III B beim Sicherheitsdienst des Reichsführers SS im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) und das Institut für Agrarwesen und Agrarpolitik der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität erstellt. An den verschiedenen Planungen in den Jahren von 1940 bis 1942 wurde zunächst im Auftrag des Reichsführers SS Heinrich Himmler, später auch im Auftrag des NS-„Chefideologen“ Alfred Rosenberg gearbeitet. Mit der Kriegswende 1943 waren sowohl der Generalplan Ost als auch der später auf diesem aufbauende Generalsiedlungsplan zum Scheitern verurteilt.