Geschichte von Tarent
Die Geschichte von Tarent (lateinisch Tarentum, italienisch Taranto), der Stadt im süditalienischen Apulien, beginnt legendenhaft fassbar im späten 8. Jahrhundert v. Chr. mit der Gründung der Apoikie Taras (altgriechisch Τάρας) durch Sparta, doch die älteste Quelle stammt erst aus dem Jahr 473 v. Chr. Wie inzwischen archäologisch belegt ist, wurde das heutige Tarent spätestens in der Jungsteinzeit erstmals besiedelt. Im Laufe der mittleren Bronzezeit entwickelte sich eine über Jahrhunderte dauerhaft genutzte Siedlung zu einem der bedeutendsten Handelszentren des zentralen Mittelmeerraums, das in dauerhaftem Kontakt zum mykenischen Griechenland stand. Auch aus der frühen Eisenzeit gibt es Funde, die von der Besiedlung des späteren Tarents im 10. bis 8. Jahrhundert v. Chr. zeugen.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde Tarent die mächtigste Stadt Großgriechenlands. Sie nahm auf Seiten Spartas am Peloponnesischen Krieg teil. Ab der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. geriet es zunächst unter Druck italischer Völker, ab dem 3. Jahrhundert vor allem Roms, das die Stadt 272 v. Chr. eroberte und 123 v. Chr. unter Gaius Sempronius Gracchus zur römischen Kolonie colonia Neptunia machte. Während der römischen Kaiserzeit war Tarent eine für ihren Reichtum berühmte Stadt.
Ab dem späten 5. Jahrhundert geriet die Stadt, wie ganz Italien, unter wechselnde Herrschaften, kam unter Justinian I. wieder an das nunmehr Oströmische Reich, wurde 927 von Sarazenen zerstört. Erst vierzig Jahre später begann der Wiederaufbau. Im Jahr 1080 gründete der Normanne Robert Guiskard das Fürstentum Tarent, das 1465 dem Königreich Neapel angeschlossen wurde.
1861 wurde Tarent Teil des Königreichs Italien. Während der Weltkriege des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Marinestützpunkt, besetzten die Alliierten Tarent in der Operation Slapstick am 9. September 1943. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich Tarent zu einem bedeutenden Industrie- und Handelszentrum.