Gestalt

Gestalt (bereits mittelhochdeutsch seit dem Ende des 13. Jahrhunderts gestalt im Sinne von ‚Aussehen‘ oder ‚Beschaffenheit‘) bezeichnet umgangssprachlich die äußere Form, den Umriss, Wuchs oder die Erscheinung von Personen, Skulpturen oder allgemein von Lebewesen (und deren Darstellung), aber auch deren Wirkung und Präsenz, beispielsweise als „Lichtgestalt“. Als Fachbegriff ist er ein Topos der deutschsprachigen Geistesgeschichte, der das klassische Problem des Übergangs von äußerlich wahrnehmbarer Welt zur inneren Vorstellungswelt als eine Gestalt auflöst. In ihm verbindet sich die Aktivität der Handlung mit der Passivität der Wahrnehmung zu einer Einheit, in welcher der Übergang zwischen Anschauung und Bedeutung verschmilzt.

Besondere Bedeutung gewann der Begriff im 20. Jahrhundert schließlich durch den George-Kreis mit der Idee der „charismatischen Führergestalt“.

  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 254.
  2. Rossi, Francesco: Gesamterkennen: Zur Wissenschaftskritik und Gestalttheorie im George-Kreis. 1. Auflage. Königshausen & Neumann, Würzburg 2011, S. 181.