Ghadīr Chumm
Ghadīr Chumm (arabisch ﻏﺪﻳﺮ ﺧﻢ, DMG Ġadīr Ḫumm) ist der Name eines unbewohnten Ortes auf halbem Weg zwischen Mekka und Medina, an dem sich zur Zeit des Propheten Mohammed ein Teich oder Sumpf (arabisch ġadīr) befand. Der Ort, der 200 km nördlich von Mekka im Wadi Rabigh liegt, ist deshalb bedeutend, weil hier Mohammed nach der islamischen Überlieferung eines Tages haltmachte und im Angesicht der rastenden Muslime seinen Vetter ʿAlī ibn Abī Tālib an der Hand fasste und verkündete: „Jeder, dessen Herr ich bin, der hat auch ʿAlī zum Herrn“ (man kuntu maulā-hu fa-ʿAlī maulā-hu).
Die Schiiten betrachten diese Worte als Designation ʿAlīs zum Imam und rechtmäßigen Nachfolger des Propheten. Das Ereignis von Ghadīr Chumm, das einigen Hadithen zeitlich nach der Abschiedswallfahrt eingeordnet wird, ist vor allem für die imamitische Imamatslehre von Bedeutung, weil es dort als Beleg für die Theorie der notwendigen Festlegung des Imams durch Designation (naṣṣ) herangezogen wird. Die Begebenheit und Mohammeds Ausspruch werden auch in sunnitischen Hadith-Sammlungen überliefert, von den Sunniten jedoch nicht als Designation ʿAlīs interpretiert.
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- ↑ Belegstellen bei Wensinck: Concordance de la tradition musulmane. Bd. VII, 334a.
- ↑ Heinz Halm: Die Schia. Darmstadt 1988. S. 10f.