Gläserne Decke

Der Begriff Gläserne Decke (englisch glass ceiling), häufig auch Glasdecke oder seltener Glasdeckeneffekt, ist eine von Marilyn Loden am 24. Mai 1978 erstmals erwähnte und damit geprägte feministische Metapher. In New York sprach sie über konkrete kulturelle Hindernisse, die dem beruflichen Erfolg von Frauen im Wege stehen, wie z. B. die voreingenommene Haltung männlicher Führungskräfte, ungleiche Bezahlung und das Fehlen von Vorbildern und emotionaler Unterstützung für Frauen, dabei gab sie diesen Hindernissen einen Namen: Gläserne Decke.

Im engeren Sinne benutzt man den Ausdruck meist in Hinblick auf den Umstand, dass qualifizierte Frauen kaum in die Top-Positionen in Unternehmen oder Organisationen vordringen und spätestens auf der Ebene des mittleren Managements „hängenbleiben“. Es wird angenommen, dass derartige Glass-Ceiling-Effekte durch eine Reihe von Hindernissen zustande kommen und verstärkt werden, so etwa Stereotype und Vorurteile hinsichtlich der Eignung von Frauen in Führungspositionen, ein auf Männer abgestimmtes Unternehmensklima sowie mangelnden Zugang zu informellen Netzwerken. Diese Hindernisse sind häufig mit den Organisationsstrukturen untrennbar verwoben und somit schwer erkennbar, daher die Metapher einer unsichtbaren Aufstiegsbarriere, also einer gläsernen Decke.

Seit den 1980er-Jahren sind zu diesem Phänomen international zahlreiche wissenschaftliche Studien erschienen, sowohl von Wirtschaftswissenschaftlern als auch von Soziologen. Im weiteren Sinne spricht man auch von „gläserner Decke“ im Hinblick auf die eingeschränkten Aufstiegschancen von Homosexuellen, ethnischen und anderen Minderheiten.

  1. Penelope Green: Marilyn Loden, die sich für eine feministische Metapher einsetzte, stirbt mit 76 Jahren. New York Times, 3. September 2022, abgerufen am 30. April 2023 (englisch).
  2. Rachel Treisman: Erinnerung an Marilyn Loden, die der Glasdecke einen Namen gab. 5. September 2022, abgerufen am 30. April 2023 (englisch).
  3. Susanne Böing: Grundlagen zur Geschlechts- und Genderproblematik in Unternehmen. Eul Verlag, Lohmar 2009 (Dissertation an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), ISBN 978-3-89936-854-3, S. 214f.
  4. Sandra Beaufaÿs: Führungspositionen in der Wissenschaft. In: Sandra Beaufaÿs, Anita Engels, Heike Kahlert: Einfach Spitze? Neue Geschlechterperspektiven auf Karrieren in der Wissenschaft. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-593-39596-8, S. 91f.
  5. Federal Glass Ceiling Commission: Good for Business: Making Full Use of the Nation’s Human Capital. (Memento vom 10. August 2014 im Internet Archive) (PDF; 1 MB) U.S. Department of Labor, Washington (D.C.) März 1995, S. 26–36.