Glossarium ad scriptores mediae et infimae latinitatis
Das Glossarium ad scriptores mediae et infimae latinitatis (seit 1883 nur noch Glossarium mediae et infimae latinitatis) wurde 1678 von Charles du Fresne, sieur du Cange (1610–1688) zuerst in Paris bei dem Verleger Billaine veröffentlicht. In über zweihundertjähriger Arbeit wurde es von einer Reihe französischer und deutscher Gelehrter erweitert und wuchs zum bedeutendsten Wörterbuch des Mittellateins. Der Anlass für die Erstellung des Glossars ergab sich aus der Mitgliedschaft Du Canges in einer von dem Minister Jean-Baptiste Colbert beauftragten Kommission, die eine neue Sammlung der Geschichtsschreiber Frankreichs erstellen sollte. Dazu führte er einen Entwurf aus, der jedoch nicht die Billigung des Ministers fand. Du Cange war dadurch schwer gekränkt und beschloss, das von ihm bereits gesammelte Material in Form des Glossarium herauszugeben.
Das Glossar ist daher auch kein Sprachwörterbuch des mittelalterlichen Lateins, sondern eine Enzyklopädie der Dinge und Sachen des Mittelalters, alphabetisch angeordnet nach den lateinischen Wörtern, die sie bezeichnen (Langlois 1904). Jeder Artikel ist eine Sammlung von Texten, die in bestimmten Fällen den Umfang einer Abhandlung erreichen. Der Sacherläuterung dienen auch die Anführung von alt- und mittelfranzösischen Textbeispielen. Dagegen fehlen sprachliche Erläuterungen etwa zu Deklination, Konjugation oder grammatischem Gebrauch völlig.
Für du Cange war das nichtklassische Latein zwar ein verderbtes (corrupta latinitas); er sah aber gerade deshalb die Notwendigkeit zur Sammlung und Erläuterung der Belege, um die Quellen zu verstehen.
Mit der Bezeichnung Glossarium stellt du Cange das Werk in die Reihe der antiken und mittelalterlichen Glossare. Einerseits versuchen er und seine Nachfolger, den gesamten Wortschatz der genannten Epochen der lateinischen Sprache zu erfassen. Andererseits werden zu den einzelnen Einträgen ausschließlich Sach- und historische Erläuterungen gegeben. Auf diese Weise ist ein Werk entstanden, das der Sachlexikografie (siehe Wörterbuch) zuzuordnen ist, obwohl es heutzutage überwiegend als Sprachwörterbuch benutzt werden dürfte.