Chunqiu Gongyang zhuan
Das Gongyang zhuan (chinesisch 公羊傳 / 公羊传, Pinyin Gōngyáng zhuàn, W.-G. Kung Yang Chuan) oder Chunqiu Gongyang zhuan (春秋公羊傳 / 春秋公羊传, Chūnqiū Gōngyáng zhuàn – "Gongyangs Tradition der Frühlings- und Herbstannalen") ist eine der drei frühesten überlieferten Kommentartraditionen zu den Frühlings- und Herbstannalen und deckt den Zeitraum von 722 bis 481 vor unserer Zeit ab. Traditionell wird die Autorschaft des Textes Konfuzius zugeschrieben, welcher diesen mündlich an seinen Schüler Zixia 子夏 weitergab. Dessen Schüler Gongyang Gao 公羊高 machte es sich zur Aufgabe, das Gongyang zhuan als Familientradition weiterzureichen, bis der Text vermutlich in der Han-Dynastie niedergeschrieben wurde. Heutige Studien gehen eher davon aus, dass das Gongyang zhuan bereits gegen Ende der Streitenden Reiche in Textform vorlag.
Bis in die westliche Han-Dynastie (207 v. Chr. bis 9 n. Chr.) stellte das Gongyang zhuan die populärste Tradition zu den Frühlings- und Herbstannalen dar. Erst mit dem Auftauchen des Zuo zhuan verlor das Gongyang zhuan allmählich an Einfluss in der Politik der östlichen Han-Dynastie (25 bis 220 n. Chr.). Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Tradition ein Comeback, welches insbesondere auf Zhuang Cunyu 莊存與 und die sich um ihn versammelnde Changzhou-Schule zurückzuführen ist. Über die folgenden eineinhalb Jahrhunderte verbreiteten sich die Ideen nach und nach in ganz China und mündeten letztlich in den Reformbestrebungen Kang Youweis, Liang Qichaos, Liao Pings 廖平 und der Hundert-Tage-Reform. Nach den gescheiterten Reformen und mit dem Ableben ihrer letzten Vertreter verschwand die Tradition erneut von der Bildfläche, bis sie in den 1990er-Jahren von Jiang Qing wiederentdeckt und zur frühen Grundlage des Festland-Neukonfuzianismus umgestaltet wurde.
- Joachim Gentz: Das Gongyang zhuan. Auslegung und Kanonisierung der Frühlings- und
Herbstannalen (Chunqiu). Harrassowitz, Wiesbaden 2001.
- ↑ S. 346
- ↑ Anne Cheng: Ch’un ch’iu 春秋, Kung yang 公羊, Ku liang 穀梁 and Tso chuan 左傳. In: Michael Loewe (Hrsg.): Early Chinese Texts. The Society for the Study of Early China, Berkeley 1993, ISBN 1-55729-043-1, S. 68.
- ↑ Jiang Qing 蔣慶: Gongyangxue yinlun 公羊學引論. Liaoning jiaoyu chubanshe, Shenyang 1995, ISBN 7-5382-3703-8, S. 61–90.