Grübeln
Das Grübeln (neudeutsch „Overthinking“, häufiges Grübeln wird als Rumination auch Repetives negatives Denken (englisch: repetitive negative thinking (RNT)) bezeichnet) ist eine Form des Nachdenkens, bei dem die Gedanken um mehrere Themen oder ein spezielles Problem kreisen, ohne dabei zu einer Lösung zu gelangen.
Beim Grübeln geht es oft um abstrakte, unkonkrete und vage Themen: negativ besetzte philosophische oder pseudophilosophische Fragestellungen, einen Konflikt oder ein Problem, für das keine Lösung vorhanden zu sein scheint. Eine einfache, naheliegende Lösung wird angezweifelt, im Grübelvorgang per Definition nicht gesucht; eine Entscheidung zwischen einer Vielzahl von Lösungen wird als schwierig wahrgenommen, krampfhaftes Suchen nach Lösungen verhindert die Lösung. Der Mensch kann in seinen Gedankenkreisen gefangen sein und keinen Weg heraus finden, wobei anhaltendes sorgenvolles Grübeln ein Anzeichen für Krankheit ist. Bevorzugte Themen des Grübelns beziehen sich auf Entscheidungen, Konflikte, eigene Leistung, vermutete Einschätzung der eigenen Person durch andere, Zukunft, Vergangenheit oder den Sinn des Lebens.
Grübeln ist eine Suche ins Leere, die trotz möglicher Lösungsmöglichkeiten fortgesetzt wird.
Die wissenschaftliche Untersuchung des Grübelns (auch Rumination, von lat. wiederkäuen) begann in den 1980er Jahren. In der klinischen Psychologie und Psychopathologie kann unterschieden werden zwischen der Beschäftigung mit vergangenheitsbezogenen (Grübeln) und zukunftsbezogenen (Sorgen) Themen. Beides, Grübeln bzw. Sorgen, wird in der Regel von negativen Emotionen begleitet, wobei das Grübeln mit eher depressiven, das Sorgen mit eher angstvollen Gefühlen einhergeht.
- ↑ Rumination: Mechanismus des antidepressiven Effekts von sportlicher Aktivität? In: uni-tuebingen.de. 27. Juni 2023, abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Forschung am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie. Calming-Minds-Project. In: www.lmu.de. Abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Jan Eichstaedt: Eine experimentell prüfbare Theorie der Willenshandlung und Willensentscheidung, entwickelt am Phänomen Ausdauer. Untersuchungen zu freiem Willen und unfreiwilligem Grübeln (= Europäische Hochschulschriften. 6 610). Peter Lang, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-631-33105-3.
- ↑ The Inquisitive Mind: „Ich denke, also bin ich traurig“: Über die Folgen des Grübelns, Ausgabe 01/2013, geladen am 9. Dezember 2021