Great-Man-Theorie

Die Great-Man-Theorie war ein bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteter Ansatz in der Geschichtswissenschaft, deren systematische Ursprünge Thomas Carlyle zugeschrieben werden. Diesem Ansatz nach könne die Weltgeschichte weitgehend durch das Wirken großer Männer oder „Helden“ erklärt werden: äußerst einflussreiche und einzigartige Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer jeweiligen Eigenschaften wie überlegener Intellekt, Heldenmut, außergewöhnliche Führungsqualitäten oder göttliche Eingebung entscheidende historische Ereignisse in Gang gesetzt hätten.

Diese Theorie wird in der Regel einer „history from below“ gegenübergestellt. Bei dieser wird das Leben der Massen betont, die überwältigende Wellen kleinerer Ereignisse verursacht, die schließlich die Führungspersönlichkeiten mitreißen oder sich zunutze machen.

Aus der Great-Man-Theorie wurde ein eigenschaftsorientierter Führungsansatz abgeleitet. Diesem zufolge sind nicht nur historische Ereignisse, sondern auch unternehmerische Erfolge in erster Linie auf herausragende Persönlichkeiten zurückzuführen, deren Eigenschaften sich klar und eindeutig identifizieren lassen.

Einer der wichtigsten Verfechter der Great-Man-Theorie war William James. Eine 2018 erschienene Neubewertung von dessen Arbeit in diesem Zusammenhang kam zu dem Schluss, dass die Wahl des Begriffs „Great Man“ auf den damaligen Zeitgeist zurückzuführen ist. Er sei eher mit dem heutigen Begriff des Genies gleichzusetzen.

  1. Dean Keith Simonton: Creative Genius as Causal Agent in History: William James's 1880 Theory Revisited and Revitalized. In: Review of General Psychology. Band 22, Nr. 4, Dezember 2018, ISSN 1089-2680, S. 406–421, doi:10.1037/gpr0000165.