Gruppenkohäsion

Gruppenkohäsion (von lateinisch cohaerere „zusammenhängen“) bezeichnet das Gemeinschafts- oder Zusammengehörigkeitsgefühl in einer sozialen Gruppe, das „Wir-Gefühl“ als emotionales Feld von Bindungen und Zusammenhalt zwischen den beteiligten Personen. Gruppenkohäsion als Phänomen wird vor allem in der Sozialpsychologie und ihren Anwendungsfeldern der Wirtschaftspsychologie, der Sportpsychologie, in der Organisationssoziologie sowie der Militärforschung untersucht. Die Bindung und Dynamik Einzelner innerhalb sozialer Systeme nimmt zentralen Platz in der Theorie der Gruppendynamik ein.

Andere Begriffe mit sich überschneidenden Bedeutungen sind Teamgeist (neudeutsch Teamspirit), Kameradschaft und Korpsgeist.

Gruppenkohäsion bewirkt, dass einzelne Mitglieder ihre individuellen Bedürfnisse zu Gunsten eines Gruppenkontextes (Bewältigung einer Gruppenaufgabe, Erreichung eines Gruppenzieles etc.) zurückstellen. Dies geschieht nicht ohne – bewusstes oder biologisch eingeprägtes – Nutzenkalkül. Die Zugehörigkeit zur jeweiligen Gruppe muss Vorteil für den Einzelnen versprechen. Dies kann allein daraus resultieren, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe (höheren) Selbstwert innerhalb des jeweiligen sozialen Kontextes (beispielsweise: jeweilige Gesellschaft) ermöglicht („Gruppenstolz“). Dazu muss sich diese „spezielle“ Gruppe von anderen Gruppen unterscheiden, im Innen- wie im Außenbild, und sich insofern klar abgrenzen.

Tabelle von Henrik Gast zur Entstehung von Gruppenkohäsion
FaktorThese
Wirkung sozialer Vergleiche• Gruppenkohäsion entsteht durch die Mechanismen der sozialen Vergleiche
Häufigkeit der Interaktion• größere Gruppenkohäsion bei häufiger und intensiver Interaktion
Homogenität
der Gruppe
• größere Gruppenkohäsion, wenn die Gruppenmitglieder relativ homogen und einander sympathisch sind
Gegenseitige Abhängigkeit• größere Gruppenkohäsion, wenn sich die Mitglieder ihrer gegenseitigen Abhängigkeit bewusst sind
Attraktivität der Mitgliedschaft• größere Gruppenkohäsion, je mehr die Gruppenmitgliedschaft wertgeschätzt wird
Konkurrenz gegenüber anderen Gruppen• größere Gruppenkohäsion, je stärker der Kontrast zu einer konkurrierenden Gruppe ist
Gefahren für
die Gruppe
• größere Gruppenkohäsion, je mehr eine Gruppe in ihrem Bestand gefährdet wird
Persönlichkeit
der Gruppen-mitglieder
• größere Gruppenausrichtung bei wenig kompetenten, unsicheren autoritär sozialisierten, mit wenigen anderen beruflichen Optionen ausgestatteten und neu zur Gruppe gestoßenen Mitgliedern
  1. Bruno Klein, Rainer Marr: Das Sozialpotential betriebswirtschaftlicher Organisationen. Berlin 1979, S. 81.
  2. Rüdiger Arnscheid: Gemeinsam sind wir stark? Zum Zusammenhang zwischen Gruppenkohäsion und Gruppenleistung. Münster/New York 1999, S. 19 ff.
  3. Günter W. Maier: Gruppenkohäsion. In: Gabler Wirtschaftslexikon. 19. Februar 2018, abgerufen am 26. Oktober 2019.
  4. Werner Auer-Rizzi: Entscheidungsprozesse in Gruppen. Kognitive und soziale Verzerrungstendenzen. Wiesbaden 1998, S. 31.