Häkeln

Häkeln ist die Verarbeitung eines Fadens mit nur einer Nadel, der Häkelnadel mit einem Haken, es entstehen Maschenstäbchen. Abgeleitet davon wurde die Kettenwirkware.

Im Unterschied zur glatten Stricknadel hat die Häkelnadel an ihrer Spitze einen Haken. Mit Hilfe dieses Hakens ist es möglich, den Faden durch bereits gearbeitete Maschen zu ziehen und damit ein zusammenhängendes Maschengebilde zu erzeugen. Vom Stricken, wo stets eine ganze Reihe von Schlaufen offen liegt, unterscheidet das Häkeln sich unter anderem dadurch, dass nur diejenigen Schlaufen offen sind, an denen gerade gearbeitet wird. Gemeinsam ist beiden Techniken die Bildung von Maschen, also von Fadenschlingen, die – anders als beim Nadelbinden – nicht überkreuzt, sondern offen sind und darum aufgeräufelt werden können. Anders als Strickware kann Gehäkeltes aber keine Laufmaschen bilden. Gehäkelte Werkstücke sind weniger elastisch als gestrickte oder nadelgebundene.

Häkeln ist eine viel jüngere Technik als Stricken. Es sind keine gehäkelten Stücke bekannt, die nachweislich vor dem Jahr 1800 zu datieren sind, während Stricken, soweit bekannt, ab dem 13. Jahrhundert nördlich der Alpen praktiziert wurde.

Je nach Mode und Zeitgeschmack ist ein breites Spektrum von Anwendungen möglich: Filethäkelei mit feinsten Garnen über Topflappen aus fester Baumwolle bis hin zu Kleidungsstücken wie Mützen (Boshi), Pullover, Schals aus unterschiedlichsten Garnen (Seide, Baumwolle, Wolle, Kunstfasern). Es wird auch Praktisches für den Haushalt (Decken, Eierwärmer, Topflappen etc.) oder Dekoratives (Tischdecken, Puppen, Amigurumi etc.) gehäkelt. Beliebt waren lange Zeit gehäkelte Babykleidung und Decken.

Filethäkeln und tunesisches Häkeln zählen zu Unterarten bzw. Spezialfällen der Häkeltechnik. Brügger Häkelspitzen ähneln Klöppelspitzen. Irische Häkelspitzen sind der Nadelspitze nachempfunden.

Häkeln galt lange als nicht automatisierbar. 2024 stellten Forschende der Hochschule Bielefeld die erste industriell skalierbare Häkelmaschine vor.

  1. Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon, Band 1, A-K, 7., vollständige überarbeitete und erweiterte Auflage, Deutscher Fachverlag 1997, ISBN 3-87150-518-8, S. 361.
  2. Fabia Denninger, Elke Giese: Textil- und Modelexikon. Bd. 2, 8., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag GmbH, Frankfurt am Main 2006, Bd. A – K, ISBN 3-87150-848-9, S. 293.
  3. Stricken vs. Häkeln. Abgerufen am 4. September 2024.
  4. Größte Häkelmaschine der Welt. In: melliand Textilberichte. Nr. 2, 3. Juni 2019, S. 95–96: „Das Häkeln gehört zu den ganz wenigen Handarbeitstechniken, die bislang nicht maschinell umgesetzt werden können“
  5. Die erste Häkelmaschine der Welt kommt aus Bielefeld: HSBI-Team entwickelt die erste industriell anwendbare Lösung für eine technikgeschichtliche Lücke. Hochschule Bielefeld (HSBI), 20. März 2024, abgerufen am 11. Dezember 2024.