Halkyonische Tage
Als halkyonische Tage bezeichnete man im antiken Griechenland einen Zeitraum von vierzehn Tagen im Dezember um die Wintersonnenwende. Die halkyonischen Tage wurden wegen des gewöhnlich schönen Wetters und der Windstille geschätzt, das Meer war in dieser Zeit ruhig und gut befahrbar. Der Name halkyonisch geht zurück auf den Eisvogel (griechisch ἀλκυών halkyon oder alkyon); man nahm an, dass die Brutzeit des Eisvogelweibchens in diesen Zeitraum fällt. In der gehobenen Sprache wird der Ausdruck „halkyonische Tage“ metaphorisch für eine schöne kurze Zeit benutzt.
Ursprung dieses Ausdrucks ist der Mythos von Alkyone, der Tochter des Aiolos, deren Name von dem des Eisvogels abgeleitet ist. Alkyone (attisch Halkyone) war mit Keyx verheiratet. Nachdem sie ihren Mann verloren hatte, suchte sie ihn lange vergeblich. Schließlich wurde sie von den Göttern aus Mitleid in einen Eisvogel verwandelt. Ihr wurde das Privileg des schönen Wetters während ihrer Nist- und Brutzeit gewährt.
In dem pseudoplatonischen, später Lukian zugeschriebenen Dialog Halkyon („Der Eisvogel“) erzählt der Philosoph Sokrates seinem Freund Chairephon den Mythos von Halkyones Verwandlung in einen Eisvogel. Das fiktive Gespräch findet während der halkyonischen Tage statt, nachdem die beiden Freunde den Ruf des Eisvogels vernommen hatten.
- ↑ Lukian, Alkyon oder über Verwandlung 2
- ↑ Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque. Histoire des mots. Klincksieck, Paris 2009, ISBN 978-2-252-03681-5, S. 60.
- ↑ Ovid, Metamorphosen 11,410–748; Ceyx und Alcyone. In: Egon Gottwein: Metamorphosen – Verwandlungen. 11. Buch, deutsch und lateinisch. Auf Gottwein.de, abgerufen am 5. Januar 2019.