Handlung (Erzählkunst)

Als Handlung, alternativ Mythos, Fabel, Fabelführung, Plot oder Szenario (auch Szenarium, Szenar), wird in der Literaturtheorie – aber auch in Filmen, Rollenspielen, Comics und Computerspielen – eine „Abfolge von zusammenhängenden, [ursächlich] miteinander verketteten Ereignissen oder Vorgängen bezeichnet, die das dramatische Gerüst“ des jeweiligen Werks bilden.

Der Begriff steht im Gegensatz zum Stoff oder der Geschichte (manchmal ist auch hier, etwas verwirrend, von Fabel die Rede), also Begriffen, die in verschiedenen Literaturtheorien zur Bezeichnung des hinter der dichterischen Gestaltungsform liegenden „rein chronologisch geordneten Nacheinanders der Ereignisse und Vorgänge“ benutzt werden. Die Handlung – also Manfred Pfisters Fabel, das Sujet Tomaševskijs und Lotmans, der aristotelische Mythos oder der Plot der Angelsachsen – bietet dagegen bereits „wesentliche Aufbaumomente in sich“, darunter „kausale und andere sinnstiftende Relationierungen, Phasenbildung, zeitliche und räumliche Umgruppierungen“.

Indem die Geschehnisse eines Verlaufs nicht isoliert, sondern in ihrer wechselseitigen Bedingtheit dargestellt werden, bildet dieses kausale Beziehungsnetz die Handlung oder den Plot einer Erzählung. Berühmt ist die Definition des englischen Schriftstellers E. M. Forster geworden, gemäß der sich in dem Satz „The king died, and then the queen died“ eine story („Geschichte“) ausdrücke, während „The king died, and then the queen died of grief“ sich als plot oder „Handlung“ qualifiziere. Eine alternative Definition liefert Jürgen Link, dem zufolge eine Handlung ein System von Textmerkmalen oder Zeichen ist, die auf einer Konfiguration (Erzähltheorie) beruhen und auf einer zeitlichen Achse angeordnet werden können.

Das Ereignis oder auch Motiv ist die kleinste und damit elementare Einheit der Handlung. Das definierte 1925 als erster Boris Wiktorowitsch Tomaschewski; sie ist die nicht mehr weiter unterteilbare Einheit des thematischen Materials. Durchlebt ein Subjekt aufeinander folgend mehrere Ereignisse, so bilden diese ein Geschehen.

  1. Handlung. In: duden.de/woerterbuch; abgerufen am 6. August 2016.
  2. Boris Viktorovič Tomaševskij: Teorija literatury. Gos. izd., Leningrad 1925, cit. Jurij Michajlovič Lotman: Die Struktur literarischer Texte, übersetzt von R.-D. Keil. Wilhelm Fink, München 1972, S. 330, cit. Manfred Pfister: Das Drama. Theorie und Analyse. 11. Auflage. Wilhelm Fink, München 2001, S. 267.
  3. Pfister (Das Drama, S. 269) definiert Handlung mit Axel Hübler als „absichtsvoll gewählte, nicht kausal bestimmte Überführung einer Situation in eine andere“, also als eine Zwischenkategorie zwischen seiner Geschichte und der Fabel, in der zwar die dramatische Darstellungsform impliziert ist, doch nicht das Vorherrschen einer kausalen Logik: vgl. Axel Hübler: Drama in der Vermittlung von Handlung, Sprache und Szene. Eine repräsentative Untersuchung an Theaterstücken der 50er und 60er Jahre. Bouvier, Bonn 1973, S. 20.
  4. Pfister: Das Drama, S. 266.
  5. Edward Morgan Forster: Aspects of the Novel. Arnold, London 1927.
  6. Matías Martínez, Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. C.H. Beck, München 2019; 11., aktual. u. überarb. Aufl. 2016, ISBN 978-3-406-74283-5, S. 115–116
  7. Boris Wiktorowitsch Tomaschewski: Teorija literatury 1925