Harzhornereignis

Koordinaten: 51° 49′ 56,6″ N, 10° 6′ 17,9″ O

„Harzhornereignis“
(Fundplätze an Harzhorn und Kahlberg)
p1

Archäologische Ausgrabungen am Harzhorn, 2012

Lage Niedersachsen, Deutschland
Fundort Harzhorn und Kahlberg
Wann Römische Kaiserzeit,
konkret Hohe Kaiserzeit,
Herbst 235
Wo Wiershausen,
Landkreis Northeim

Lage der Fundgebiete

Unter dem Begriff Harzhornereignis werden mehrere zusammenhängende Kampfhandlungen zusammengefasst, die zwischen mehreren tausend römischen Legionären und deren Hilfstruppen sowie einer unbekannten Anzahl Germanen um das Jahr 235/236 am Westrand des Harzes stattfanden und ein bislang singuläres Beispiel für eine späte militärische Präsenz der Römer in der Germania magna darstellen.

Die archäologischen Fundplätze befinden sich nahe dem Kalefelder Ortsteil Wiershausen am Nordrand des niedersächsischen Landkreises Northeim und beschränkten sich anfänglich auf das Gebiet des Vogelbergs/Harzhorns. Ende 2010 wurde in etwa drei Kilometern Entfernung ein weiteres umfangreiches Fundareal auf dem Kahlberg entdeckt. Die zusammengehörenden Fundkomplexe werden von der nationalen und internationalen Fachwelt als spektakuläre Entdeckung von außerordentlicher Bedeutung bewertet. Es ist, neben der Fundregion Kalkriese, das am besten erhaltene antike Schlachtfeld in Europa. Es hat sich dort im Rahmen der Schlachtfeldarchäologie die einzigartige Möglichkeit ergeben, archäologische Hinterlassenschaften einer im Gefecht befindlichen römischen Armee zu untersuchen.

Stand 2025 waren fast 2700 Artefakte unterschiedlicher Zeitstellung gefunden worden. Neben dem Römerlager Hedemünden, dem Fundplatz Bentumersiel, dem Römischen Marschlager von Wilkenburg sowie der Fundregion Kalkriese handelt es sich bei den Fundplätzen rund um das Harzhorn um eine der großen Fundstellen römischer Militaria im norddeutschen Raum. Bedeutend ist dieser Fund auch aufgrund der Einordnung in die historischen Ereignisse zu Beginn der sogenannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts. Zuvor wurden in der historischen Forschung derart weiträumige militärische Operationen der Römer für diese Zeit und in diesem Raum nicht für möglich gehalten. Es gilt inzwischen als gesichert, dass das Gefecht in den Kontext der Germanenkriege des Kaisers Maximinus Thrax in den Jahren 235 und 236, konkret in den Herbst des Jahres 235 gehört.

  1. Michael Geschwinde, Petra Lönne, Michael Meyer: Eingefrorene Zeit. Das Harzhorn-Ereignis – Archäologie einer römisch-germanischen Konfrontation 235 n. Chr. In: Matthias Wemhoff, Michael Rind (Hrsg.): Bewegte Zeiten: Archäologie in Deutschland. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2018, ISBN 978-3-7319-0723-7, S. 282–293, hier S. 283: „Es handelt sich also auch dabei um keine offene Feldschlacht, sondern militärisch gesprochen um ein ‚Gefecht‘. Um eine möglichst objektive und nicht durch Begrifflichkeiten bereits vorbestimmte Diskussion zu führen, ist es sinnvoll, mit dem neutralen Begriff ‚Harzhorn-Ereignis‘ zu operieren.“
  2. Michael Geschwinde, Petra Lönne, Günther Moosbauer unter Mitarbeit von Michael Brangs und Thorsten Schwarz: Das Geheimnis der Dolabra. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. Ausgabe 4/2011, S. 248–249.
  3. Das Schlachtfeld am Harzhorn: Neue archäologische Untersuchungen 2009 und 2010. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. Ausgabe 1/2011, S. 25.