Hendiadyoin
Der Ausdruck Hendiadyoin (Plural die Hendiadyoin; altgriechisch ἓν διὰ δυοῖν hen dia dyoin, deutsch ‚eins durch zwei‘, selten auch Hendiadys) „ist in der rhetorischen und linguistischen Theorie nicht einheitlich definiert.“
- In der antiken Stilistik „handelt es sich um eine Umformung einer unterordnenden Substantiv-Adjektiv-Verbindung [oder Genitivkonstruktion], die [in gleicher Bedeutung] beiordnend mit „und“ hergestellt wird.“ In der lateinischen Sprache gibt es zahllose Beispiele hierfür. Auch im Griechischen trifft man die Konstruktion öfter an. „In der neueren Sprache, auch im Deutschen, kommt das Hendiadyoin [in diesem Sinne] nur sehr selten, [nämlich] als wörtliche Übernahme lateinischer Konstruktionen vor.“
- In den neueren Sprachen „tendiert die Bedeutung des Begriffs [vielmehr] in Richtung Synonymverbindung: Als rhetorische Figur zur Intensivierung wird ein Gedanke durch zwei im selben Wortfeld[!] liegende Wörter vermittelt, die durch „und“ verknüpft sind.“
Alle weiteren Ausführungen in diesem Artikel beziehen sich lediglich auf den Begriff Hendiadyoin in dieser letzten Bedeutung.
- 1 2 3 4 Metzler Lexikon Sprache, herausgegeben von Helmut Glück, Michael Rödel. 5., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart (2016), S. 265.
- ↑ Duden – Das große Fremdwörterbuch. Dudenverlag, Mannheim (1994), S. 559.
- ↑ Bekanntestes Beispiel:
„Die Masse und die hohen Berge“ statt „Die Masse der hohen Berge“. Siehe Duden, Fremdwörterbuch.
Weiteres bekanntes Beispiel: „Aus Bechern opfern wir und Gold.“ statt „Wir opfern aus goldenen Bechern.“ - ↑ z. B. Gottlieb Hatz: Beiträge zur lateinischen Stilistik. Zum Hendiadys in Ciceros Reden. Richardt, Schweinfurt 1886 (ab Seite 26). (Google Books).
- ↑ David Sansone: On Hendiadys in Greek. Glotta 62, 1./2. Heft (1984), S. 16–25.
- ↑ Wegen ihrer völligen Ungebräuchlichkeit wirken wörtliche Übersetzungen dieser Stilfigur aus antiken Sprachen unverständlich oder sogar falsch (vergleiche die obigen Beispiele).