Henese Fleck
Der Henese Fleck (auch: den Heenese Vlek) ist eine Geheimsprache, die von Kiepenträgern, also fahrenden Händlern, aus der niederrheinischen Gemeinde Breyell genutzt wurde, um sich auf ihren Reisen untereinander zu verständigen.
Friedrich Kluge sprach in seiner Arbeit zum Rotwelsch (siehe Literatur) vom Henese Fleck als der „überraschendsten und seltsamsten deutschen Geheimsprache überhaupt“. In einer soziographischen Feldstudie aus der zweiten Hälfte der 1940er Jahre wurde der Henese Fleck wie folgt bewertet: „ein deutliches Zeichen der früher hier bestehenden Absonderung nach außen“ sowie „zur Abschließung gegen Ortsfremde und zur Beschränkung persönlichen und beruflichen Zusammengehörigkeitsgefühls allein auf die Mitbewohner seines kleinen Siedlungsgebietes“.
Der Henese Fleck hat seinen Ursprung vermutlich in der Zeit der Teilung der Herzogtümer Kleve und Jülich-Berg kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg oder aber in der Zeit des Krieges selbst, dem bis ins 19. Jahrhundert hinein wachsenden Schmuggel, und dem damit einhergehenden Bedarf nach einer Verständigungsmöglichkeit für Eingeweihte. Sie dürfte damit etwa 200 bis 300 Jahre alt sein.
Die Sprache besteht aus einem älteren Teil, der sich vor allem in Personalpronomina und Zahlwörtern findet, und einem neueren Teil vom Ende des 18. Jahrhunderts, in dem die regionale Mundart, das Limburgische, als Quelle vorherrscht. Aus dem älteren Teil stammt auch die Bezeichnung: „Henes“ bedeutet „schön“, „gut“, „stark“ und Ähnliches, „Fleck“ (oder auch „Flick“) schlicht „Sprache“. Hier bestehen auch Verbindungen zu ähnlichen Sprachen des Großraums, der Händlersprache aus Maastricht und Heerlen (Overmaas), aber auch dem Bargundsch aus der Gegend um Brügge und Oudenaarde in Flandern sowie der westfälischen Tjötten-Sprache aus der Gegend von Ibbenbüren und Tecklenburg.
Eine statistische Analyse des Wortschatzes von rund 800 Begriffen ergibt eine überwiegende Herkunft aus dem Rotwelschen (75 %), gefolgt vom Limburgischen (30 % mit offensichtlich rund 5 % Unsicherheit oder Überschneidungen) und vereinzelten Anleihen aus anderen Sprachen, wie Französisch, Latein, Jiddisch und Tschechisch. Auffallend ist, dass ihre Zahlwörter weder mit der Mundart noch mit dem in der Mehrzahl der Rotwelsch-Dialekte üblichen Jüdisch-Deutschen übereinstimmen und auch sehr große Zahlen benennen.
Heenese Fleck und das umgebende Limburgische Platt ähneln sich in der Benutzung von Wohlklangslauten bei Geschlechtswörten vor bestimmten männlichen Hauptwörtern. So heißt „Kennst Du den Mann?“ übersetzt „Holt Zinoetes dem Blag?“
- ↑ Dobbert 1949/50, zitiert in: Graf 1977
- ↑ Heinz-Joachim Graf: Der Henese Fleck. Eine alte Geheimsprache der Kiepenträger aus Breyell am linken Niederrhein (= Oberkreisdirektor [Hrsg.]: Schriftenreihe des Kreises Kempen-Krefeld. Band 23). Kempen/Niederrhein 1974, S. 73.
- ↑ Heinz-Joachim Graf: Der Henese Fleck. Eine alte Geheimsprache der Kiepenträger aus Breyell am linken Niederrhein (= Oberkreisdirektor [Hrsg.]: Schriftenreihe des Kreises Kempen-Krefeld. Band 23). Kempen/Niederrhein 1974, S. 75.