Hersfelder Zehntverzeichnis
Das Hersfelder Zehntverzeichnis (auch: Verzeichnis Hersfelder Zehnten im Friesenfeld, an Hersfeld zehntender Burgen sowie Hersfelder, vom Kaiser und vom Herzog Otto besessener Ortschaften) ist eine Auflistung der Orte und Burgen im Gau Friesenfeld und im Hassegau, aus denen die Reichsabtei Hersfeld den Kirchenzehnt erhielt. Die originale Aufzeichnung entstand zwischen 881 und 887 oder zwischen 896 und 899, sie ist aber nicht mehr erhalten. Die Liste ist in einer Abschrift aus dem ausgehenden 11. Jahrhundert im Hessischen Staatsarchiv Marburg überliefert.
Für zahlreiche Orte im südlichen Sachsen-Anhalt und im nördlichen Thüringen ist die Nennung zugleich die erste Erwähnung in den schriftlichen Quellen. Ein vergleichbares Verzeichnis der Reichsabtei Hersfeld ist für den direkt anschließenden Bereich südlich der Unstrut mit dem deutlich früher entstandenen Breviarium sancti Lulli erhalten, das aber nicht nur die Orte, sondern auch konkreten Güterbesitz in diesen benennt.
Das Hersfelder Zehntverzeichnis unterteilt sich in vier Abschnitte. Viele Ortsnamen sind darin doppelt und dreifach vorhanden, da sie damals noch nicht mit Bestimmungswörtern unterschieden wurden. So finden sich etwa Osterhausen (später Klein- und Groß-Osterhausen), Lauchstädt (später Bad Lauchstädt und Kleinlauchstädt) oder Wünsch (später Ober- und Unterwünsch) zweimal im Hersfelder Zehntverzeichnis. Röblingen ist viermal enthalten (später Nieder- und Oberröblingen an der Helme bzw. Ober- und Unterröblingen am See), Brunesdorpf fünfmal (verschiedene, teils wüst gefallene Dörfer).
In anderen Fällen waren es später mehr Orte dieses Namens als heute: Einzingen wird zweimal genannt, zeitweise gab es drei Orte dieses Namens (Einzingen, Mittel-Einzingen und Wenigen-Einzingen), Farnstädt taucht einmal auf, später sind es Ober-, Berg- und Unterfarnstädt, Obhausen wird einmal genannt, zeitweise gab es drei Orte dieses Namens als eigenständige Gemeinden (Obhausen Johannis, Obhausen Nikolai, Obhausen Petri), ebenso verhält es sich mit Langeneichstädt (einmal genannt, zeitweise Nieder-, Mark- und Obereichstädt). Werben wird dreimal genannt, bis heute gibt es Burg-, Mark-, Tage- und Reichardtswerben. In einigen Fällen ist die ungewöhnlich hohe Zahl von identischen Ortsnamennennungen vermutlich mit später wüstgefallenen Orten zu erklären (etwa Schafstädt, Zidamacha oder Blösien), in anderen Fällen auf die spätere Verschmelzung zu einem Ort (etwa Teutschenthal).
Der 1. Teil wurde zwischen 830 und 850 zusammengestellt, nennt in 239 Nummern eine große Zahl von Ortschaften zwischen Saale, Unstrut, Helme, Sachsgraben (Tal bei Sangerhausen), Williamsweg, Wipper, Willerbach (heute Teil der Bösen Sieben), dem Süßen See und der Salza. Der 2. Teil und die übrigen Teile entstanden während der Amtszeit von Abt Harderat zwischen 880/889 und wurden dabei mit dem ersten Teil zusammengefügt und nennen 18 Namen, deren jeder auf -burg endet. Im 3. Teil werden 13 Ortschaften und im 4. Teil fünf Marken und sieben Orte aufgelistet.
Nachfolgend eine Auswahl von Orten und Burgen:
- ↑ Zur Datierung der Teile: Edward Schröder: Urkundenstudien eines Germanisten. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Nr. 18. Wien 1897, S. 1–52 (mgh-bibliothek.de [PDF]). – Die Grenzflüsse ergeben sich aus der Urkunde von 979, in der der Zehnt im Friesenfeld und Hassegau von Hersfeld an Memleben übertragen wird. Dort werden diese in der Grenzbeschreibung genannt.