Hillel

Hillel (der Ältere oder der Alte; hebräisch הִלֵּל הַזָּקֵן Hillel ha-Saqen) (geboren Mitte bis Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. wahrscheinlich in Babylon (Partherreich); gestorben um 10 n. Chr. wahrscheinlich in Jerusalem) war einer der bedeutendsten pharisäischen Rabbinen (Tannaim) und Gründer einer Schule zur Auslegung der Schrift, auf den sich Juden bis heute oft berufen.

Hillel lebte wahrscheinlich um die Zeitenwende (1. Jh. v. Chr. und 1. Jh. n. Chr.), kam in seiner Jugend aus Babylonien nach Jerusalem und wurde später Oberhaupt der nach ihm benannten Schule, Bet Hillel.

In der rabbinischen Tradition wird Hillel als Nasi (Patriarch) und Vorsitzender des Sanhedrin bezeichnet. Die neuere Forschung geht dagegen davon aus, dass diese Belege redaktioneller Natur sind und die spätere Zustände in die Vergangenheit projizieren. Hillels Nachkommen nahmen nach der aus der Zeit vor der Zerstörung des zweiten Tempels (70 n. Chr.) tatsächlich eine solche Position ein. Davor waren die Pharisäer - unter denen die Linie der Hillel-Schule nur eine von mehreren Richtungen war - eine zwar bedeutende aber nicht dominierende Gruppierung. Die Bezeichnung Hillels als nasi ist demnach als nachträglicher Ehrentitel anzusehen, wobei der Beginn des Amtes des jüdischen Patriarchen auf das zweite nachchristliche Jahrhundert angesetzt wird.

  1. Lynn Somerstein: Hillel. In: David A. Leeming, Kathryn Madden, Stanton Marlan (Hrsg.): Encyclopedia of Psychology and Religion. Springer, Boston, MA 2010, ISBN 978-0-387-71802-6, S. 401
  2. Solomon Schechter, Wilhelm Bacher: Hillel. Jewish Encyclopedia
  3. Friedrich Wilhelm Bautz: Hillel, der Ältere. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Band 2. 1990, Sp. 860 f.
  4. Alexander Maune: Hillel the elder. A Talmudic perspective of his leadership intelligence. In: Risk Governance & Control. Financial Markets & Institutions. Band 5, Nr. 2, 2015, S. 7–14 (doi:10.22495/rgcv5i2art1).
  5. Martin Jacobs: Die Institution des jüdischen Patriarchen. Eine quellen- und traditionskritische Studie zur Geschichte der Juden in der Spätantike. Mohr, Tübingen 1995, ISBN 3-16-146503-2 (Texte und Studien zum antiken Judentum 52), (Zugleich: Berlin, Freie Univ., Diss., 1994). S. 99ff.