Hochgebirge

Ein Hochgebirge ist (im deutschen Sprachraum) eine aus der Ebene um mindestens 1000 Meter Höhenunterschied herausragende Massenerhebung der Erdoberfläche (Gebirge) mit besonders ausgeprägten Geländeformen (Relief mit steilen Hangneigungen, landschaftsprägenden Felsregionen und schroffen Gipfeln oder Graten), deren natürliche Vegetation sich klar von der Umgebung unterscheiden lässt sowie (in der Regel) in mehrere unterscheidbare Höhenstufen gegliedert werden kann. Die Höhe über dem Meeresspiegel, die in populären Definitionen oftmals bei über 1.500 m oder über 2.000 m angegeben wird, ist demnach nachrangig.

Nach dieser Vorgabe sind weder große Bereiche der bis auf über 2.000 m reichenden Appalachen, noch Teile des über 5.000 m hoch liegenden Hochlandes von Tibet Hochgebirge im eigentlichen Sinne; sie weisen stattdessen Mittelgebirgscharakter auf. Demgegenüber ist die nur knapp über 1.000 m reichende Snowdon-Range in Wales bereits ein Hochgebirge. Selbst unter 1000 m Reliefenergie finden sich einige Gebirge mit geomorphologisch ausgeprägtem Hochgebirgscharakter: Sie sind stark zerklüftet und weisen sehr steile Hänge und scharfe Grate auf. Eine klimatisch abweichende Gebirgsvegetation ist indes aufgrund der geringen Höhe oft kaum oder gar nicht ausgeprägt. Dazu gehören etwa die Cuillin Hills auf der schottischen Insel Skye mit rund 700 bis 900 m hohen Gipfeln und die beiden vulkanischen Felsendome Gros Piton auf der Karibikinsel St. Lucia. Vor allem sehr junge Gebirge, die erst wenig verwittert und abgetragen sind, haben bisweilen Hochgebirgscharakter.

Eine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition ist aufgrund vielfältiger Abweichungen und Besonderheiten nicht vorhanden. In den Geowissenschaften wird daher heute häufig auf verschiedene Definitionsansätze verwiesen.

In ihrem Buch Gebirge der Erde schreiben Burga, Klötzli und Grabherr etwa: „Hochgebirge unterscheiden sich von Hügelländern oder Mittelgebirgen dadurch, dass mindestens ein Landschaftsgürtel durchstoßen wird (Jürgen Hövermann, 1994) […]“ und ergänzen dies nach Matthias Kuhle (1982) um das Vorkommen typischer Elementarereignisse in Hochgebirgen wie Lawinen, Steinschlag oder Erdrutsche).

Die 14 höchsten Gipfel der Erde (über 8000 m NN) liegen alle in Südasien im Himalaya und Karakorum. Auch alle über 7000 m hohen Berge (mindestens 256) liegen ausschließlich in Hochasien. Erst bei der 6000-m-Marke kommen die amerikanischen Kordilleren mit dem Denali in Alaska und über hundert Sechstausendern in den Anden hinzu. 5000 m hohe Berge gibt es in Nord- und Südamerika, in Ostafrika, in verschiedenen Regionen Asiens (Südasien, Zentralasien, der Damawand im Iran und der Ararat in der Türkei) und auch im Kaukasus, der von manchen Autoren teilweise zu Europa gezählt wird. Davon abgesehen ist der Mont Blanc mit 4810 m der höchste Berg Europas. Das höchste komplett eisbedeckte Gebirge ist das Watkins-Gebirge im Osten Grönlands, das mit mehreren Gipfeln knapp unter der 3700-m-Marke bleibt. Bezogen auf den Höhenunterschied vom Gipfel des Mauna Kea bis zum untermeerischen Gebirgsfuß (ungefähr 10.000 m) ist der Hawaiirücken das höchste Gebirge der Erde.

Hochgebirge verursachen immer von der jeweiligen globalen Klimazone abweichendes Gebirgsklima und Wettergeschehen und prägen zudem das Regionalklima des Umlandes: Je höher ein Gebirgszug, je näher an einer Küste und je größer die Barriere für die vorherrschenden Hauptwinde, desto weitreichender der Einfluss. So sind etwa die kanadischen Coast Mountains die Ursache für den gemäßigten Regenwald an den pazifischen Hängen, oder der Himalaya sorgt gleichsam für höhere Temperaturen in Indien und erhebliche Trockenheit in Zentralasien.

Die vielfältigen Unterschiede beim Klima, der Wasserversorgung, der Geländeformen, den Böden und infolgedessen der Vegetation führen grundsätzlich zu einer vergleichsweise hohen Biodiversität in Hochgebirgen. Fast alle sogenannten Megadiversitätszentren der Erde mit mehr als 5.000 Gefäßpflanzen-Arten auf 10.000 km² liegen an feuchtwarmen Hochgebirgsabdachungen. In diesem Zusammenhang steht auch die große Zahl endemischer Arten, die nur jeweils in einem Gebirge vorkommen und sonst nirgends auf der Erde. Dies ist vor allem eine Folge eiszeitlicher Verlagerungen der Klimazonen, bei denen die Gebirge sowohl Rückzugsrefugien für Pflanzen- und Tierarten waren (etwa für Glazialrelikte) als auch Barrieren, die Arten und Gattungen räumlich voneinander trennten. Die Folge davon war ein erheblicher Einfluss auf die Artbildung.

Häufig weisen Gebirgsregionen auch eine große kulturelle Vielfalt auf.

Hochgebirge gehören zu den großen Landformen, die das Makrorelief der Erde bilden. Unter der Meeresoberfläche werden solche Massenerhebungen als Meeresrücken bezeichnet.

  1. Lebensraum Hochgebirge auf www.planet-wissen.de, abgerufen am 9. Januar 2026.
  2. Hochgebirge, Stichwort in www.lexas.de, abgerufen am 9. Januar 2026.
  3. 1 2 3 Conradin Burga, Frank Klötzli und Georg Grabherr (Hrsg.): Gebirge der Erde – Landschaft, Klima, Pflanzenwelt. Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4165-5, S. 20–21.