Hochofenwerk Oberscheld
Die Eisenhüttenindustrie im Lahn-Dill-Raum stand seit den 1840er Jahren vor einer grundlegenden strukturellen Herausforderung. Die drei wichtigsten Produktionsfaktoren Erz, Holzkohle und Wasser begünstigten lange Zeit den Standort der nassauischen Montanindustrie. Der Rückgang der Holzressourcen führte aber bereits im ausgehenden 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu erheblichen Schwierigkeiten mit einer ausreichenden Holzkohlenversorgung. Die neue aus England herkommende Technologie der Eisenverhüttung auf der Basis von Koks verlagerte die Eisenproduktion zu den reichlich vorhandenen Steinkohlenvorkommen an Rhein und Ruhr. Der vormalige Standortvorteil wandelte sich mit der kostengünstigeren Koksverhüttung nun in einen gravierenden Standortnachteil um. Die Hütten in der Lahn-Dill-Region waren im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gezwungen, die auf Holzkohlenbasis arbeitenden Hochöfen aufgrund ihrer Unrentabilität stillzulegen.
- ↑ Schache 1938, S. 321–324. Fessner 2013, S. 244–245.