Homo ludens
Der Homo ludens [] (lateinisch homō lūdēns, deutsch „der spielende Mensch“) ist ein anthropologisches Erklärungsmodell, das den Menschen als spielendes Wesen begreift. Nach dieser Auffassung entwickelt der Mensch seine kulturellen Fähigkeiten primär durch das Spiel. Im spielerischen Handeln entdeckt er seine individuellen Eigenschaften, verarbeitet Erfahrungen und entfaltet seine Persönlichkeit. Dabei ermöglicht das Spiel sowohl das Erfahren als auch das Überschreiten äußerer Zwänge.
Schon im frühkindlichen Alter dient fantasievolles Spielen der Darstellung und Verarbeitung inneren Erlebens. Auch Märchen sind eine Form gedanklichen Spiels, in denen der Mensch seine Alltagserfahrungen um eine imaginative Sinnstiftung ergänzt. In der anthropologischen Betrachtung wird der Homo ludens oft als Gegenbild zum Homo faber gesehen, der den Menschen primär als schaffendes und werkzeugnutzendes Wesen beschreibt.