Impetustheorie
Die Impetustheorie (lateinisch impetus = der Schwung, das Vorwärtsdrängen) ist eine überholte Theorie mit dem Ziel, eine „dynamische“ Erklärung der Bewegung von Körpern zu liefern. Seit 1687 wurde sie ersetzt durch die Newtonschen Axiome. Die Impetustheorie ging aus der christlichen Kritik der materialistischen aristotelischen Bewegungslehre hervor. Der Impetus ist dabei eine nichtkörperliche (immaterielle) Bewegungsursache oder eine eher spirituell verstandene „Kraft“, die auf einen zu bewegenden Körper übergeht, um dessen Bewegung hervorzubringen.
Im Mittelalter bildete die Impetustheorie eine wichtige Grundlage der Ballistik. In der auf Isaac Newtons Werk aufbauenden Klassischen Mechanik ist der Begriff des Impetus eliminiert worden und seine Bedeutung zu Teilen in die ursachenlose Trägheitsbewegung, den Impuls und die kinetische Energie eingeflossen.
Untersuchungen an Studienanfängern bezüglich ihres Verständnisses des Verhaltens bewegter Objekte ergaben, dass die intuitiven Erklärungsansätze eines großen Teils der Probanden auch heute noch große Ähnlichkeit mit der Impetustheorie aufweisen.
- ↑ A. Caramazza, M. McCloskey, B. Green: Naive beliefs in "sophisticated" subjects: Misconceptions about trajectories of objects. In: Cognition 9 (2), 1981, S. 117–123.
- ↑ Edgar Fieberg: Das intuitive Wissen über Bewegungsgesetze: Entwicklungspsychologische Untersuchungen zum intuitiven Wissen im Handeln, Wahrnehmen und Urteilen. Waxmann Verlag, 1998, ISBN 978-3-89325-646-4.