Innere Emigration
Als Innere Emigration im weiteren Sinn wurde nach 1945 die Haltung von Intellektuellen, vor allem von Schriftstellern während der NS-Zeit bezeichnet, die dem Nationalsozialismus zwar kritisch gegenübergestanden, sich ihm aber weder offen widersetzt hatten noch ins Exil gegangen, sondern in Deutschland geblieben waren.
Im engeren Sinn steht „Innere Emigration“ neben der Exilliteratur und der NS-Literatur als literarische Epochenbezeichnung für die Zeit von 1933 bis 1945. Der Begriff ist ambivalent und wird in einigen Werken zur deutschen Literaturgeschichte nur in Anführungszeichen verwendet, da er einerseits eine tatsächliche Form geistiger Opposition beschreiben kann, andererseits aber vielfach apologetisch verwendet wurde, um mangelnden Widerstand und bloßen Opportunismus zu verbrämen.
Mitunter wird auch die Haltung heimlicher Dissidenten in anderen Diktaturen als dem NS-Staat als „Innere Emigration“ bezeichnet. Die Anwendung des Begriffs auf Teile der Literaturszene der DDR ist umstritten.
- ↑ so von Wolfgang Beutin u. a.: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2. Aufl., Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1984, S. 363 ff.