Internationale Filmfestspiele Berlin 2012
Die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) fanden vom 9. bis 19. Februar 2012 statt. Gemeinsam mit Cannes und Venedig zu den bedeutendsten Filmfestivals der Welt zählend, stand es zum elften Mal unter der Leitung von Dieter Kosslick. Mit dem Goldenen Bären, den Hauptpreis des Filmfestivals, wurde der italienische Beitrag Cäsar muss sterben (Originaltitel: Cesare deve morire) von Paolo und Vittorio Taviani ausgezeichnet.
In den offiziellen Sektionen wurden 395 Filme in insgesamt 966 Vorführungen gezeigt, zehn Filme mehr als im Vorjahr. 87 Titel wurden von Deutschland produziert oder koproduziert. Die Filme wurden in 22 über Berlin verteilte Kinos und Spielstätten gezeigt – Hauptspielstätte war wie schon in den letzten Jahren das Theater am Potsdamer Platz („Berlinale Palast“), in dem u. a. alle Wettbewerbsfilme uraufgeführt wurden. Da die Produktionen noch keine Altersfreigabe der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) erhalten hatten, waren alle Vorstellungen – mit Ausnahme der Sektion Generation – ab 18 Jahren zugelassen. 750 weitere Filme wurden im Rahmen des European Film Market (EFM) aufgeführt. Die Finanzierung des Festivals lag wie im Vorjahr bei 19,5 Mio. Euro, 6,5 Mio. davon wurden aus Bundesmitteln bereitgestellt.
Eröffnet wurde das Filmfestival mit Benoît Jacquots im Wettbewerb befindlichen Historienfilm Les adieux à la reine. Dieter Kosslick, dessen Vertrag als Leiter der Berlinale im Vorfeld verlängert wurde, nannte Migration und Rechtsradikalismus als thematische Schwerpunkte für die Berlinale 2012. Außerdem sollten die Solidaritätsaktionen für iranische Filmemacher fortgeführt werden. Nachdem im Vorjahr die Werke des zu einer Haftstrafe verurteilten Jafar Panahi in mehreren Sektionen der Filmfestspiele gezeigt worden waren, sollten 2012 u. a. Panahi, dessen Co-Regisseur Mojtaba Mirtahmasb und Mohammad Rasulof als Ehrengäste nach Berlin eingeladen werden. Diese kamen jedoch der Einladung nicht nach. Die Filmemacher wären nicht mehr im Gefängnis gewesen, hätten aber laut Kosslick zum Teil nicht ausreisen dürfen.
Als Moderatorin für die Eröffnungs- und Abschlussgala wurde die deutsche Komikerin und Schauspielerin Anke Engelke verpflichtet. Engelke war bereits von 2003 bis 2005 und von 2010 bis 2011 Berlinale-Moderatorin gewesen.
Bereits im Vorfeld als Gewinnerin fest standen die US-amerikanische Schauspielerin Meryl Streep, die am 14. Februar 2012 im Rahmen der Deutschland-Premiere ihres Films Die Eiserne Lady mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Streep, die am häufigsten für den Oscar nominierte Schauspielerin, war bereits 1999 mit der Berlinale Kamera sowie 2003 mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet worden. Außerdem wurden das Filmstudio Babelsberg, der deutsche Filmemacher Haro Senft und der US-amerikanische Erfinder Ray Dolby mit der Berlinale Kamera geehrt.
Nach wiederholter Kritik am Wettbewerbsprogramm hatte Kosslick im Vorfeld eine terminliche Verschiebung der Berlinale aufgrund von Kooperationen mit den Filmfestivals von Rotterdam und Sundance ausgeschlossen, die vor der Berlinale abgehalten werden. Bei einer Verschiebung in den Herbst würde das Festival mit den Filmfestspielen von Venedig und Toronto konkurrieren. Im Vorfeld der Berlinale hatte der US-amerikanische Filmregisseur Martin Scorsese Interesse bekundet, mit seinem im Oktober 2011 uraufgeführten Film Hugo Cabret das Filmfestival zu eröffnen. Da der Fantasyfilm aber zum Start der Filmfestspiele bereits in den Vereinigten Staaten und in Europa eine reguläre Kinoauswertung erfahren hätte, wurde Hugo Cabret nicht ins Programm aufgenommen.
- ↑ Peter Zander: In Berlin rauschen die Stars über den roten Teppich. Welt Online, 1. Februar 2012; abgerufen am 5. Februar 2012.
- ↑ Peter Zander: Countdown für die 62. Filmfestspiele. In: Berliner Morgenpost, 4. Februar 2012, Stadtleben, Nr. 5, S. 5.
- ↑ Wer ist wer im Berlinale-Krimi? In: Berliner Morgenpost, 5. Februar 2012, BIZ, Nr. 35, S. 2.
- ↑ So kommen Sie zur Berlinale. In: Welt kompakt, 1. Februar 2012, Nr. 23.
- ↑ Statistik. berlinale.de; abgerufen am 9. Februar 2012.
- ↑ Offizielle Pressemitteilung ( des vom 8. Januar 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei berlinale.de, 4. Januar 2012; abgerufen am 4. Januar 2012.
- 1 2 Holger Mehlig, Nathalie Wählisch: Solidarität auf der Berlinale mit iranischen Regisseuren. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive ) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. dapd, 2. Januar 2012.
- ↑ Kino: Anke Engelke moderiert wieder bei der Berlinale. In: Berliner Morgenpost, 23. Dezember 2011; abgerufen am 25. Dezember 2011.
- ↑ Offizielle Pressemitteilung ( des vom 5. Januar 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei berlinale.de, 2. Januar 2012; abgerufen am 2. Januar 2012.
- ↑ Offizielle Pressemitteilung ( des vom 13. Januar 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei berlinale.de, 22. Dezember 2011; abgerufen am 19. Januar 2012.
- ↑ Offizielle Pressemitteilung ( des vom 29. Januar 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei berlinale.de, 18. Januar 2012; abgerufen am 19. Januar 2012.
- ↑ Offizielle Pressemitteilung ( des vom 22. März 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei berlinale.de, 31. Januar 2012; abgerufen am 8. Februar 2012.
- ↑ Dieter Oßwald: „Kreischalarm ist doch schön“. In: Stuttgarter Nachrichten, 2. Januar 2012, S. 12.