Interstellares Objekt

Ein interstellares Objekt (lateinisch inter stellas ‚zwischen den Sternen‘) ist ein astronomisches Objekt, das sich im interstellaren Raum befindet und gravitativ nicht an einen Stern bzw. Braunen Zwerg gebunden ist. Die Bezeichnung wird für Objekte wie Asteroiden, Kometen und frei fliegende Planeten verwendet, nicht aber für Sterne oder deren Überreste. Viele dieser Objekte fliegen alleine auf einer geraden Bahn durch das Universum und werden nie (wieder) in die Nähe von Sternen kommen. Falls sie doch einmal vorübergehend in der Nähe eines Sterns vorbeiziehen, fliegen sie in der Regel eine hyperbolische Bahn (d. h. eine Bahn mit einer Exzentrizität größer 1) und verlassen dessen Sternsystem wieder. Nur sehr selten wird das Objekt von diesem Stern „eingefangen“ und verbleibt als Teil von dessen System.

Viele interstellare Objekte entstammen einem Sternsystem bzw. Protosternsystem und sind dort ursprünglich genau so entstanden wie andere typische Planeten, Asteroiden etc. Eines Tages haben sie allerdings ihr Heimatsystem verlassen, was verschiedene Gründe haben kann, zum Beispiel können sie aufgrund eines nah vorbeifliegenden, massereicheren Objekts herausgeschleudert worden sein. Interstellare Objekte können aber auch im interstellaren Raum unabhängig von einem Sternsystem entstanden sein, zum Beispiel durch die Kollision zweier Himmelskörper dort. Objekte, die im interstellaren Raum so wie ein Stern entstanden sind und sich nur aufgrund ihrer geringen Größe und damit fehlenden Kernfusion von Sternen bzw. Braunen Zwergen unterscheiden, die so genannten Sub-Brown Dwarfs, zählt man in der Regel nicht zu den interstellaren Objekten.

Nach ihrer Form unterschieden werden größere, weitestgehend runde bzw. ellipsoide interstellare Objekte planetarer Masse, von denen bereits viele dutzend entdeckt wurden, von kleineren unregelmäßig geformten Objekten (analog Kleinkörpern oder noch kleiner), welche mit der derzeitigen Technik im interstellaren Raum noch nicht beobachtet werden können. Ein so kleines interstellares Objekt kann bisher nur erkannt werden, wenn es zufällig unser Sonnensystem im inneren Bereich durchfliegt. Im Sonnensystem wurden bis 2026 drei interstellare Objekte beim Durchflug beobachtet: 1I/ʻOumuamua (2017), 2I/Borisov (2019/2020) und 3I/ATLAS (2025). Einige Asteroiden und Kometen im Sonnensystem sind zudem ehemalige interstellare Objekte. Es wird geschätzt, dass jedes Jahr mehrere interstellare Objekte das Sonnensystem innerhalb des Erdorbits durchqueren und jeden Tag etwa 10.000 innerhalb des Orbits des Neptun. Andersherum produziert auch das Sonnensystem selbst regelmäßig interstellare Objekte durch den Auswurf von Objekten. Ein Sonderfall derselben sind künstliche, durch den Menschen geschaffene interstellare Objekte. Zum ersten solchen wurde die Raumsonde Voyager 1 mit ihrem Verlassen des Sonnensystems 2012.