Kuschana-Schrift

Die Kuschana-Schrift (auch unbekannte baktrische Schrift, unbekannte Kuschana-Schrift oder Issyk-Kuschana-Schrift, bei einigen Autoren auch als sakische Schrift bezeichnet) ist eine selten überlieferte Schrift, die aus einem Grabhügel eines sakischen Fürsten aus dem 4./3. Jahrhundert v. Chr. bei Jessik (Name zum Zeitpunkt der Entdeckung 1969: Issyk) nahe Almaty in Südost-Kasachstan bekannt ist. Daneben wurden bisher an 14 weiteren Fundorten Inschriften gefunden, davon zwölf in der historischen Region Baktrien (heute Nord-Afghanistan und Nachbargebiete Tadschikistans und Usbekistans) von der Zeit des Griechisch-Baktrischen Reiches (3.–2. Jahrhundert v. Chr.) bis zur Zeit des Kuschanareiches (2.–3. Jahrhundert n. Chr., aus dieser Zeit stammen die meisten Fragmente), eine weitere südlich davon in Dascht-e Nawor und eine von Seefahrern verfasste Inschrift auf der Insel Sokotra.

Im Griechisch-Baktrischen Reich und im Kuschanareich war die Kuschana-Schrift nicht die einzige verwendete Schrift und Sprache. Sehr viel häufiger sind Inschriften in baktrischer Sprache oder griechischer Sprache, beides in griechischer Schrift, oder in mittelindischen Prakrit-Sprachen (besonders Gandhari) mit Kharoshthi-Schrift.

Inschriften der Kuschana-Schrift werden seit den 1950er Jahren wissenschaftlich dokumentiert, aber sie konnte lange Zeit nicht allgemein anerkannt entziffert werden. Zahlreiche Entzifferungsvorschläge wurden von Fachleuten als „mit Vorsicht zu behandeln“ und „zweifelhaft“ bezeichnet. Im Jahr 2022/23 gelang den Kölner Sprachwissenschaftlern Svenja Bonmann, Jakob Halfmann und Natalie Korobzow auf Basis einer 2022 von dem tadschikischen Archäologen Bobomullo Bobomulloev dokumentierten weiteren Bilingue in der Almosi-Schlucht nordwestlich von Duschanbe die Teilentzifferung von 60 % der Schriftzeichen (Stand August 2023).