Jane Sandanski
Jane Iwanow Sandanski (auch Jane Ivanov Sandanski oder Yane Ivanov Sandanski geschrieben, bulgarisch Яне Иванов Сандански, bulgarische Schreibweise bis 1945 Яне Ивановъ Сандански; * 18. Mai 1872 in Wlachi, Osmanisches Reich, heute in Bulgarien; † 22. April 1915 bei Melnik, Zarentum Bulgarien, heute Bulgarien) war ein bulgarisch-makedonischer Revolutionär und führende Persönlichkeit des linken Flügels der Inneren Makedonisch-Adrianopeler Revolutionären Organisation (IMARO).
In seiner Jugend engagierte sich Sandanski im antiosmanischen Kampf und trat zunächst dem Obersten Makedonien-Adrianopel-Komitees bei, wechselte aber später zur IMARO. Als Aktivist der Liberalen Partei (Radoslawisten) wurde er Leiter des örtlichen Gefängnisses in Dupniza. Nach dem Ilinden-Preobraschenie-Aufstand wurde Sandanski Anführer des Revolutionsbezirks Serres. Er unterstützte die Idee einer Balkanföderation und Makedoniens als autonomen Staat in ihrem Rahmen als endgültige Lösung der nationalen Probleme in der Region. Während der Zweiten osmanische Verfassungsperiode wurde er osmanischer Politiker, kollaborierte mit den Jungtürken und gründete die Bulgarische Volksföderative Partei. Sandanski griff während der Balkankriege (1912–13) auf Seiten Bulgariens zu den Waffen. So wurde unter seiner Leitung am 17. Oktober 1912 die Stadt Melnik erobert. Danach engagierte er sich wieder im bulgarischen öffentlichen Leben, wurde jedoch von den rivalisierenden Aktivisten der rechten IMARO-Fraktion ermordet.
Er gilt sowohl in Bulgarien als auch in Nordmazedonien als Nationalheld, doch seine Identität ist zwischen beiden Ländern umstritten. Während die Volksrepublik Bulgarien ihn ehrte, wurde er nach dem Fall des Kommunismus von bulgarischen nationalistischen Historikern als Verräter der bulgarischen Nationalinteressen und Kollaborateur mit den Türken beschrieben. Im Gegensatz dazu ist in Nordmazedonien die positive Konnotation seiner Person, die im kommunistischen Jugoslawien entstand, noch lebendig. So wird er dort als Kämpfer gegen die „bulgarischen Bestrebungen in Makedonien“ und das „türkische Joch“ dargestellt.
- ↑ Loring Danforth: Internal Macedonian Revolutionary Organization. In: Encyclopædia Britannica. (englisch): „IMRO was founded in 1893 in Thessaloníki; its early leaders included Damyan Gruev, Gotsé Delchev, and Yane Sandanski, men who had a Macedonian regional identity and a Bulgarian national identity.“
- ↑ Maria Todorova: The Lost World of Socialists at Europe's Margins: Imagining Utopia, 1870s - 1920s. Bloomsbury Publishing, 2020, ISBN 978-1-350-15034-8, S. 64 (englisch): “The other prominent member of the Socialist Workers' Federation, besides the Sephardic Circle and the “anarcho-liberals,” was the People’s Federative Party–Bulgarian Section. The latter was founded in April 1909 by IMRO members who actively participated in the Young Turk Revolution and the “Army of Freedom” march on Istanbul to quell the countercoup in 1909. It was strongly divided along ideological lines and different strategic choices around social democrats like Dimitîr Vlahov (1878–1953), nationalists with socialist leanings like Iane Sandanski (1872–1915), and nationalists like Khristo Chernopeev.”
- ↑ Vemund Aarbakke: Images of Imperial Legacy, Modern Discourses on the social and cultural impact of Ottoman and Habsburg rule in Southeast Europe. LIT Verlag Münster, 2011, ISBN 978-3-643-10850-0, Images of imperial legacy: The impact of nationalizing discourse on the image of the last years of Ottoman rule in Macedonia, S. 121 (englisch): “The way Bulgarian and Macedonian history and identities are intertwined is exemplified by the dispute over the identity of revolutionary heroes such as Gotse Delchev and Yane Sandanski. Bulgarian nationalists, for example, ridicule their Macedonian counterparts' identification with Sandanski, since archival documents refer to him as Bulgarian.”
- ↑ Frederick F. Anscombe: State, Faith, and Nation in Ottoman and Post-Ottoman Lands. Cambridge University Press, 2014, ISBN 978-1-107-72967-4, S. 153 (englisch).