Jauch (Hanseatengeschlecht)

Jauch ist der Name einer ursprünglich bäuerlichen, später bürgerlichen Familie, die seit dem Ende des 15. Jahrhunderts im thüringischen Sultza Villa, den damals als Einheit verstandenen Orten Dorfsulza und Bergsulza, nachweisbar ist. Dort erscheinen Angehörige im 16. Jahrhundert als besessene Männer – freie, mit erblichen Gütern belehnte Bauern. Von Thüringen aus führten Linien der Familie im 17. Jahrhundert nach Mecklenburg und im 18. Jahrhundert nach Polen sowie in das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Über Lüneburg gelangte die Familie nach Hamburg, wo sie seit dem frühen 19. Jahrhundert zu den Hanseaten zählt. Seit dem späten 20. Jahrhundert wird der Name in der medial geprägten Öffentlichkeit vor allem mit Günther Jauch verbunden.

Die Familiengeschichte ist neben diesen räumlichen von sozialen Veränderungen geprägt, die mit dem Übergang vom bäuerlichen Stand zum Stadtbürgertum einsetzten – seit Beginn der gesicherten Stammfolge im 17. Jahrhundert sind die Angehörigen der Familie als Ackerbürger und zünftige Handwerker in Stadtsulza belegt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verließ Johann Christian Jauch der Ältere das kriegs- und flutgeschädigte, wirtschaftlich geschwächte Stadtsulza und trat in den Kammerdienst der Herzogin von Mecklenburg-Güstrow ein; Söhne und Enkel wurden Offiziere in Diensten Augusts des Starken, später Augusts III. im Königreich Polen. Diese polnischen Zweige wurden seit dem Generalmajor Joachim Daniel Jauch in der polnischen, teils auch deutschen Literatur fälschlich dem Adelsstand zugerechnet; sie erloschen im 18. Jahrhundert.

Nachdem das Herrscherhaus Mecklenburg-Güstrow ausgestorben war und seine Frau Ingeborg, Kammerfrau der letzten Herzogin, ebenfalls nicht mehr lebte, wechselte Johann Christian mit einem Teil seiner Kinder zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Residenz Güstrow nach Lüneburg. Dort stieg die Familie in akademisch geprägte Bildungs- und Berufsstände auf; Familienmitglieder waren mehrheitlich als Geistliche und Juristen, aber auch als Kaufleute vertreten. Nach der Verlegung des Handelsgeschäfts von Lüneburg nach Hamburg in der Mitte des 18. Jahrhunderts, ausgelöst durch die wirtschaftliche Stagnation Lüneburgs nach dem Niedergang des Salzhandels, wurden die Jauchs Teil des hanseatischen Großbürgertums, das in der bürgerlich regierten Stadtrepublik Hamburg die Stadtherrschaft ausübte. In den folgenden Generationen erwarben sie Güter in Schleswig-Holstein und Kaffeeplantagen in Guatemala.

  1. Erbbuch des Amtschössers Roßla vom Jahre 1512 in: Georg Judersleben: Einwohner Sulzas vor der Reformation. Bad Sulza 1936, S. 42–47.
  2. Adam Boniecki: Herbarz Polski, Bd. 8, Warszawa 1905, S. 340; Polska Encyklopedia Szlachecka, Bd. 6, Warszawa 1937, S. 194; Seweryn Uruski: Rodzina. Herbarz Szlachty Polskiej, Bd. 6, Warszawa 1909, S. 29; Emilian von Żernicki-Szeliga: Der Polnische Adel …, Bd. 1, Hamburg 1900, S. 373.
  3. Zirschke, Johann Georg: Zuverläßige Beschreibung der Hohen Generalität, oder ausführliche Nachrichten von den Hohen Kriegsbedienten, welche seit dem Jahre 1680. dem Hause Sachsen Albertinischer Linie, gedienet, Görlitz 1756, S. 339.
  1. Die adelige Einordnung in polnischen Herbarzen und auch bei Zschirke erklärt sich wohl aus Rang und Hofnähe: Franz Georg Jauch als Oberstleutnant der Krongarde und Joachim Daniel Jauch als Generalmajor, Artilleriekommandeur und königlicher Baumeister standen in Positionen, die in Polen-Litauen meist von Angehörigen der Szlachta oder nobilitierten Ausländern besetzt waren; daraus wurde offenbar ohne nachweisbare Standeserhebung fälschlich auf Adel geschlossen. Ein Nobilitierungsakt ist nicht nachgewiesen.