Jean-Pierre Poly

Jean-Pierre Poly (* 1941) ist ein französischer emeritierter Rechtshistoriker und Mediävist, ein Schüler von Georges Duby und erhielt den Doktor in Geschichte 1971. Er lehrte an der Universität Paris-Nanterre (X).

Poly gehört in der Theorie des Feudalismus zu den Verfechtern von der zügigen „feudalen Mutation“ oder „Transformation“ im 11. Jhdt., gestützt auf seine Forschung zur Provence (Dissertation 1971), gegen die Auffassung von Dominique Barthélemy. Danach hätten sich die Ritter in wenigen Jahrzehnten zu Herren über die freien Bauern gemacht und das neue Macht- und Abgabensystem unter einem zentralen Herrscher brutal durchgesetzt, das im Deutschen das Lehnswesen mit Grundherrschaft heißt. Die Gegenauffassung bestreitet die plötzliche Entwicklung und argumentiert mit der Entwicklung anderer Regionen, selbst in Frankreich.

Sein Spätwerk widmet sich der Entwicklung der Sexualität im Mittelalter (Inzestverbot, Akkulturation der Sitten).

  1. Philippe Buc: What is Order? In the Aftermath of the »Feudal Transformation« Debates. In: Francia. 8. Oktober 2021, doi:10.11588/FR.2019.0.83886.
  2. Dominique Barthélemy: La mutation féodale a-t-elle eu lieu ? (Note critique). In: Annales. Histoire, Sciences Sociales. Band 47, Nr. 3, Juni 1992, ISSN 0395-2649, S. 767–777, doi:10.3406/ahess.1992.279072.