KZ Kislau
Das KZ Kislau war ein Konzentrationslager im nationalsozialistischen Deutschland.
Das Lager wurde am 21. April 1933 im Jagd- und Lustschloss Kislau bei Mingolsheim (Baden) eröffnet. Im Gegensatz zu den meisten anderen frühen KZ wurde es nicht schon nach wenigen Monaten wieder aufgelöst, sondern bestand bis zum 1. April 1939. Auch wurde es nicht wie andere frühe KZ, die länger existierten, 1934 der Inspektion der Konzentrationslager unterstellt, sondern blieb bis zu seiner Auflösung dem badischen Innenministerium zugeordnet.
Seit 1819 bestand in der Kislauer Schlossanlage eine Strafanstalt. Bis 1854 diente das Schloss als Außenstelle des badischen Staatsgefängnisses in der Feste Rastatt. Anschließend fungierte es als polizeiliche Verwahranstalt für Frauen. Seit den 1880er Jahren war in dem Gebäudekomplex auch ein Arbeitshaus für Männer untergebracht, das während der gesamten Zeit des Nationalsozialismus und bis 1939 parallel zum Konzentrationslager existierte. Im Ersten Weltkrieg diente Kislau zunächst als Lazarett, später als Kriegsgefangenenlager. Von 1930 bis Ende 1933 befand sich im Schloss auch eine Außenstelle für „geistesschwache Frauen“ der Badischen Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch.
Darüber hinaus wurde Kislau seit Ende 1934 auch als Durchgangslager für zurückkehrende deutsche Fremdenlegionäre genutzt, die vorgeblich aufgrund gesundheitlicher Risiken im Lager untergebracht wurden. Tatsächlich galten sie jedoch als politisch unzuverlässig und sollten während ihrer Haft im Sinne der neuen Machthaber „geschult“ werden. Obwohl sich diese ideologische Behandlung unter den Heimkehrern herumsprach, durchliefen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs etwa 1.800 ehemalige Legionäre das "Dulag".