Kastell Gholaia

Kastell Gholaia
Alternativname castra Chol(aia); [G]olas; Chosol
Limes Limes Tripolitanus
vordere Limeslinie
Datierung (Belegung) 201 bis 259/263 n. Chr.
Typ Kastell
Einheit a) Stammeinheit (201–238): Vexillation der Legio III Augusta
b) kurzfristig: Numerus conlatus
c) nach Auflösung der Legion (238–259/263): Vexillatio Golensis
Größe 138 × 93 m
(= 1,38 ha)
Bauweise Stein
Erhaltungszustand Die teils recht gut erhaltenen Baureste im Wüstensand sind je nach den Wetterbedingungen mehr oder weniger sichtbar.
Ort Bu Njem/Bou Njem/Bu Ngem
Geographische Lage 30° 34′ 41,5″ N, 15° 24′ 46,8″ O
Höhe 95 m
Anschließend Kleinkastell Gasr Zerzi (westlich)
Rückwärtig Kleinkastell Gasr Banat
(rückwärtige Limeslinie) (nordwestlich)

Das Kastell Gholaia, das antike Quellen auch als castra Chol(aia), [G]olas; sowie auf der Tabula Peutingeriana als Chosol überliefern, ist ein römisches Militärlager, das für Sicherungs- und Überwachungsaufgaben am vorderen Limes Tripolitanus, einem tiefgestaffelten System von Kastellen und Militärposten, in der römischen Provinz Africa proconsularis zuständig war. Ein Außenposten des Kastells, das Kleinkastell Gasr Zerzi, wurde mit knapp 30 Kilometern einen Tagesmarsch westlich von Gholaia errichtet. Gholaia liegt südlich der Oase von Bu Njem am Rande der Sahara im Munizip Surt in Libyen. Die Anlage befand sich im östlichsten Abschnitt des tripolitanischen Limes. Die vielen epigraphischen Hinterlassenschaften sind ein beispielhaftes Zeugnis für die fortgeschrittene Verschriftlichung während der Zeit des Prinzipats in einer afrikanischen Provinz und geben einen intensiven Einblick in die Organisation und das Leben des Grenzschutzkommandos und seiner Offiziere. Gholaia wurde durch die jahrzehntelangen Arbeiten des französischen Archäologen René Rebuffat (1930–2019) zu dem am besten erforschten tripolitanischen Limeskastell.

  1. AE 1988, 01102.
  2. OBuNjem 00075.
  3. René Rebuffat: Dix ans de recherches dans le prédésert de Tripolitaine (Notes et documents VIII). In: Libya antiqua 13, 1976–1977, S. 79–91; hier: S. 84.
  4. Michael Mackensen: Kastelle und Militärposten des späten 2. und 3. Jahrhunderts am „Limes Tripolitanus“. In: Der Limes 2 (2010), S. 20–24; hier: S. 22.
  5. René Rebuffat: Les citernes de Syrtique occidentale. In: Encyclopédie Berbère 13, 1994, S. 2017–2025; hier S. 2021.
  6. Kleinkastell Gasr Zerzi bei 30° 32′ 35,87″ N, 15° 6′ 11,57″ O
  7. Michael Mackensen: Mannschaftsunterkünfte und Organisation einer severischen Legionsvexillation im tripolitanischen Kastell Gholaia/Bu Njem (Libyen). In: Germania 86, 1, 2008, S. 271–306; hier: S. 281.
  8. Michael Mackensen: Baubestand und Rekonstruktion der porta praetoria des severischen Vexillationskastells Myd(---)/Gheriat el-Garbia am „limes Tripolitanus“ (Libyen). In: Römische Wehrbauten. Befund und Rekonstruktion. Inhalte – Projekte – Dokumentationen. (= Schriftenreihe Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege 7), 2013, S. 88–107; hier: S. 96.