Kasusgrammatik

Die Kasusgrammatik ist eine Theorie zur grammatischen Analyse, die vom amerikanischen Sprachwissenschaftler Charles J. Fillmore ab 1968 im Rahmen der Transformationsgrammatik nach Chomsky entwickelt wurde. In der Kasusgrammatik werden Sätze als Kombination aus einem Verb und einem oder mehreren Tiefenkasus aufgefasst. Der Begriff Tiefenkasus ist nicht mit dem herkömmlichen Kasus zu verwechseln, der in der Kasusgrammatik als Oberflächenkasus bezeichnet wird. Die Bezeichnung Tiefenkasus (deep case) lehnt sich an die inhaltliche Beschreibung der Kasusfunktionen in der traditionellen Grammatik an, wurde später ersetzt durch case role (Kasusrolle) und schließlich durch den Begriff der semantischen Rolle abgelöst.

Eine semantische Rolle ist nicht an einen bestimmten „Oberflächenkasus“ gebunden, auch sind semantische Rollen nicht lexikalische Eigenschaften von Wörtern. Sie konstituieren sich im Satzinhalt erst dann, wenn sie innerhalb eines Aussagerahmens mit einem bestimmten Prädikat kombiniert wurden.

  1. Gerhard Helbig: Probleme der Valenz- und Kasustheorie. Bd. 51 von Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft Walter de Gruyter, Berlin 1992, ISBN 3-11-093832-4, S. 22–25
  2. Wilhelm Köller: Perspektivität und Sprache: zur Struktur von Objektivierungsformen in Bildern, im Denken und in der Sprache. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-018104-5, S. 394
  3. Gerhard Helbig: Entwicklung der Sprachwissenschaft seit 1970. Springer-Verlag, Heidelberg / Berlin / New York 2013, ISBN 3-322-86538-X, S. 124
  4. Peter von Polenz: Deutsche Satzsemantik. 3. Aufl., Walter de Gruyter, Berlin / New York 2008, ISBN 978-3-11-020366-0, S. 169