Kayfabe

Kayfabe ist ein Begriff aus dem professionellen Show-Wrestling und stand früher für eine Art Übereinkunft, die zwischen den Wrestlern und den Promotern getroffen wurde, sämtliche Ereignisse, die vor und hinter der Kamera gezeigt werden, als „Realität“ darzustellen. Die ausgehandelte Storyline sollte dem Publikum verborgen und für dieses nicht erkennbar sein.

Diese Praxis wurde bis in die Mitte der 1980er-Jahre beibehalten und dann schrittweise aufgegeben. Der Promotor Vince McMahon brach das Kayfabe öffentlich, in dem er vor Gericht zugab, dass professionelles Wrestling lediglich „Sports Entertainment“ die „Kämpfe“, insbesondere deren Verlauf, abgesprochen und der Sieger vorherbestimmt sei. Wrestler seien als Schauspieler zu betrachten, die sportliche Unterhaltung darböten, so McMahon weiter. Mit seiner gerichtlichen Aussage wollte der Unternehmer McMahon v. a. zwei Dinge erreichen: 1. sich der Kontrolle der staatlichen Sportkommission entziehen und 2. der Zahlung einer Vergnügungssteuer entgehen.

Wird heute ein Ereignis im Wrestling als „kayfabe“ bezeichnet, so bedeutet dies, dass dieses Ereignis nunmehr ein bekannter Teil einer Storyline ist und ein oder mehrere Wrestler versuchte(n), dem Publikum die Storyline, wie in der Vergangenheit, als pure Realität darzubieten; allerdings ist es seit dem Internet als Informationsquelle heute unmöglich, das traditionelle Kayfabe aufrechtzuerhalten. So wurde dieses integraler Teil und Stilelement der Storyline.

Es gab jedoch auch in jüngerer Vergangenheit Beispiele, wenn auch nur wenige, wo Wrestler unerwartet Kayfabe gebrochen haben. Dazu gehört u. a. der sogenannte MSG Incident von 1996: Nach einem Match zwischen Shawn Michaels und Diesel kamen Razor Ramon und Triple H zum Ring. Es sollte für Ramon und Diesel eines der letzten Matches in der WWE sein, und die vier Wrestler – vor der Kamera erbitterte Widersacher, im richtigen Leben jedoch sehr gute Freunde – umarmten sich zum Abschied.