Kernenergie in Frankreich

Frankreich hat seit Jahrzehnten den höchsten prozentualen Anteil an mit Kernenergie erzeugtem Strom weltweit. 2019 stammten ca. 72 % des in Frankreich produzierten Stroms aus Atomkraftwerken (2016: 403 TWh (brutto) von 556 TWh, 2019: 377,4 TWh von 520,5 TWh). Am gesamten Energiemix, also an der im Land verbrauchten Primärenergie für alle Sektoren, d. h. Verkehr, Wärme und Strom, hatte Kernenergie einen Anteil von 37 %. Die Stand Januar 2026 insgesamt 57 in Frankreich betriebenen Kernreaktoren haben eine installierte elektrische Gesamtleistung von ca. 63 GW. Alle Kernkraftwerke werden vom staatlichen Stromkonzern Électricité de France (EDF) betrieben. Der Großteil der aktiven Reaktoren ging von 1979 bis 1994 in Betrieb, 2000 und 2002 folgten noch Standorte mit je zwei Blöcken. 14 alte Reaktoren waren Stand März 2020 endgültig abgeschaltet, darunter Fessenheim am Rhein. Ein EPR-Reaktor ist seit 2024 im Kernkraftwerk Flamanville als Block 3 in Betrieb, wobei die geplanten Baukosten und Bauzeiten massiv überschritten wurden (siehe hier).

Durch den hohen Anteil an Kernenergie weist Frankreich eine vergleichsweise niedrige CO2-Intensität der Stromerzeugung auf. Mit etwa 85 Gramm CO2 pro Kilowattstunde liegt der französische Strommix deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von rund 438 g CO2/kWh. Seit 1980 war Frankreich – mit Ausnahme des Jahres 2022 – durchgehend Nettoexporteur von Strom und ist der größte Stromexporteur Europas.

Im Mai 2022 waren insgesamt 30 von 56 Reaktoren zu Wartungszwecken abgeschaltet, im September 32. Bei zwölf dieser Reaktoren war Korrosion an Schweißnähten aufgetreten. Nach Reparaturen wurden bis Anfang 2024 alle Reaktoren wieder ans Netz gebracht.

Bis etwa zum Ausbruch der Wirtschaftskrise ab 2007 plante Staatspräsident Nicolas Sarkozy den Neubau eines weiteren EPR. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011 und der Wahl von François Hollande wurde der Plan nicht weiter verfolgt. Emmanuel Macron kündigte im Februar 2022 eine „Renaissance der Kernenergie“ an, mit dem Bau sechs neuer, verbesserter EPR bis 2050, der Prüfung von acht weiteren Standorten, zudem einer Laufzeitverlängerung bestehender Kraftwerke auf 50 Jahre. Laut der französischen Atomaufsicht Autorité de sûreté nucléaire (ASN) sind Reparaturen an den 32 ältesten Reaktoren Bedingung für eine Laufzeitverlängerung. Die Laufzeit dieser Reaktoren wurde im Jahr 2021 auf 50 Jahre verlängert, die Laufzeitverlängerung von 20 Reaktoren der 1300-MW-Baureihe folgte im Jahr 2025.

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