Kirchweihe (VELKD)

Als Weihe einer Kirche wird in den Agendenwerken der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) die Indienstnahme eines Gebäudes für den evangelischen Gottesdienst bezeichnet. Sie wird biblisch begründet mit 1 Tim 4,5 .

Das moderne Verständnis der evangelischen Kirchweihe ist in den 1856 in Dresden (Konferenz der evangelisch-lutherischen Kirchenregimente) beschlossenen Grundsätzen niedergelegt, die 1862 von der Eisenacher Konferenz übernommen wurden. Demnach ist die Kirchweihe die Aussonderung eines Gebäudes zum kirchlichen Gebrauch (dedicatio); diese verleiht dem Kirchenraum keine übernatürlichen Eigenschaften (also keine consecratio). Explizit heißt es 1856: „Weiheformeln von operativer Fassung sind nicht zu gebrauchen, sondern die Weihung geschieht durch das Weihegebet.“

Einzelne Agenden des 19. Jahrhunderts enthielten allerdings „operative“ Weiheformeln, so die durch Christian Friedrich von Boeckh erarbeitete Evangelisch-Lutherische Agende von 1870 (sogenannte Boeckhsche Agende), die die Amtsvollmacht des Einweihenden herausstellte:

„Und wie diese drei Stätten [= Kanzel, Taufstein, Altar], an denen die Mittel der Gnade gespendet werden, so weihe ich auch alles Andere, was hier zum Dienste Gottes bestimmt ist … weihe dieses ganze Haus kraft meines Amtes und der mir gewordenen Vollmacht (die rechte Hand ausbreitend) im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.“

Christian Friedrich von Boeckh: Evangelisch-lutherische Agende. Zweiter Theil: Die kirchlichen Handlungen. Sebald, Nürnberg 1870, S. 208.

Die Boeckhsche Agende wurde vor allem in Bayern, aber auch darüber hinaus rezipiert.

  1. Bei der Schlüsselübergabe nach Agende IV von 1952 (ebd., S. 143) übergibt der Bauherr den Schlüssel dem Bischof, dieser gibt ihn dem Ortspfarrer, welcher die Kirche aufschließt.
  2. Erich Hertzsch: Kirchweihe. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 3. Auflage. Band 3, Mohr-Siebeck, Tübingen 1959, Sp. 1624. Vgl. ASm III,15 (BSLK, S. 462): „Zuletzt ist noch der Geukelsack des Bapsts dahinden von närrischen und kindischen Artikeln als von der Kirchweihe, von Glocken täufen, Altarstein täufen und Gevattern dazu bitten, die dazu gaben etc. Welchs Täufen ein Spott und Hohn der heiligen Taufe ist, daß mans nicht leiden soll“.
  3. Form der Einweihung einer Kirche. In: Allgemeines Kirchenblatt für das evangelische Deutschland 1856, S. 568–571, hier S. 570 (Digitalisat).