Klimaschutz

Klimaschutz ist der Sammelbegriff für (organisatorische bzw. technische usw.) Maßnahmen, die der durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung entgegenwirken und mögliche Folgen der globalen Erwärmung abmildern (Mitigation) oder verhindern sollen. Als wichtige Grenze gilt die Zwei-Grad-Schwelle, die nicht überschritten werden sollte, wenn katastrophale Auswirkungen der globalen Erwärmung verhindert werden sollen. Einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern gilt als eine der größten Herausforderungen der menschlichen Zivilisation. Da Kohlenstoffdioxid als wichtigster Treiber der gegenwärtigen Erderwärmung sehr lange in der Atmosphäre bleibt und manche Folgen des Klimawandels langfristig und irreversibel sind, werden die politischen Weichenstellungen der Gegenwart und unmittelbaren Zukunft tiefgreifende Auswirkungen für Tausende bis Zehntausende von Jahren haben.

Kernelement des Klimaschutzes ist die drastische Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen aus Energieerzeugung und Energienutzung in Industrie, Landwirtschaft, Verkehr und Privathaushalten, bis schließlich Netto-Null-Emissionen erreicht werden. Zur Begrenzung der globalen Erwärmung gemäß dem Pariser Übereinkommen sind bis in die 2030er Jahre hinein rasche und umfassende Emissionsminderungen notwendig, insbesondere durch eine Transformation des Energiesektors, wobei erneuerbare Energien eine zentrale Rolle spielen und je nach regionalen Voraussetzungen auch Kernenergie sowie CO2-Abscheidung und -Speicherung zur Emissionsminderung beitragen können.

Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf ein bestimmtes Niveau erfordert langfristig Klimaneutralität, da für jede Temperaturgrenze nur ein begrenztes Emissionsbudget zur Verfügung steht. Die Begrenztheit dieses Budgets bedeutet zugleich, dass jede Verzögerung des Klimaschutzes in der Gegenwart später deutlich schnellere und tiefgreifendere Maßnahmen erforderlich macht.

Ebenfalls wichtig ist die Erhaltung und gezielte Förderung von Kohlenstoffsenken, also natürlichen Bestandteilen wie insbesondere Wäldern, die Kohlenstoffdioxid aufnehmen und binden können. Solche Klimaschutzmaßnahmen mindern zudem die Luftverschmutzung und haben weitere positive Nebeneffekte für Umwelt und Gesundheit.

Die Auswirkungen der Erderwärmung sind aus Sicht vieler Forscher bereits nicht mehr vollständig vermeidbar, sondern nur noch abzumildern und zu begrenzen. Daher sind parallel zur Senkung der Treibhausgasemissionen auch Maßnahmen zur Anpassung an die bereits jetzt unvermeidlichen Folgen des Klimawandel nötig (Adaption), z. B. Deichbau und Katastrophenvorsorge. Anpassungsmaßnahmen zeigen vor allem kurz- und mittelfristig Wirkung; ihre langfristige Wirksamkeit ist jedoch schwerer zu bestimmen, da die Folgen der globalen Erwärmung nur begrenzt abgemildert werden können.

Angesichts bisher ungenügender Erfolge bei der Reduktion der Treibhausgasemissionen werden im Rahmen des sogenannten Geoengineerings auch großtechnische Ansätze wie CO2-Abscheidung und -Speicherung oder die Eisendüngung der Weltmeere geprüft und lokal erprobt.

Zum Klimaschutz gehören neben großtechnischen Maßnahmen, makroökonomischen Rahmenbedingungen sowie staatlicher und internationaler Klimaschutzpolitik auch Aufklärung und Verhaltensänderungen auf individueller Ebene, insbesondere in Industriestaaten mit vergleichsweise hohem Energiekonsum und entsprechendem Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen.

Angesichts der trotz zahlreicher Klimakonferenzen bisher wenig erfolgreichen Bemühungen um eine wirksame Reduktion der weltweiten Treibhausgasemissionen formierte sich 2019 Fridays for Future, eine weltweit agierende Jugendprotestbewegung nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg, die breite Unterstützung auch in Wissenschaftskreisen erhielt.

  1. Climate Change 2007. Mitigation of Climate Change. Vierter Sachstandsbericht des IPCC. Abgerufen am 27. November 2015.
  2. Sabine Mathesius u. a.: Long-term response of oceans to CO2 removal from the atmosphere. In: Nature Climate Change. Band 5, 2015, S. 1107–1113, doi:10.1038/nclimate2729.
  3. Peter U. Clark u. a.: Consequences of twenty-first-century policy for multi-millennial climate and sea-level change. In: Nature Climate Change. Band 6, 2016, S. 360–369, doi:10.1038/NCLIMATE2923 (englisch, pik-potsdam.de [PDF]).
  4. Leon Clarke et al.: Energy Systems. In: P.R. Shukla; Jim Skea; R. Slade; A. Al Khourdajie; R. van Diemen; D. McCollum; M. Pathak; S. Some; P. Vyas; R. Fradera; M. Belkacemi; A. Hasija; G. Lisboa; S. Luz; J. Malley (Hrsg.): Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change. Contribution of Working Group III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge, UK; New York, NY 2022, S. 615 f., 707, doi:10.1017/9781009157926.008.
  5. Umweltprogramm der Vereinten Nationen: Emissions Gap Report 2019, S. XV. Abgerufen am 31. März 2021.
  6. Ottmar Edenhofer, Susanne Kadner, Jan Minx: Ist das Zwei-Grad-Ziel wünschenswert und ist es noch erreichtbar? Der Beitrag der Wissenschaft zu einer politischen Debatte. In: Jochem Marotzke, Martin Stratmann (Hrsg.): Die Zukunft des Klimas. Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen. Ein Report der Max-Planck-Gesellschaft. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66968-2, S. 69–92, hier S. 76.