Kognitive Poetik

Kognitive Poetik (cognitive poetics) ist die Sammelbezeichnung für zeitgenössische, kognitiv-empirische Forschungsansätze in der Literaturtheorie, bzw. Literaturwissenschaft, in denen die Untersuchung der Wirkung narrativer und sprachlich-stilistischer Kunstmittel auf den Leser im Vordergrund steht.

Die Kognitive Poetik versucht, Literaturrezeption aufgrund allgemeiner Prozesse der menschlichen Informationsverarbeitung (d. h. Kognition) verstehbar zu machen. Der Name des Forschungsfeldes setzt sich folgerichtig aus Kognition, d. h. jene die menschliche Erkenntnis strukturierenden Mechanismen, und Poetik, d. h. Theorie zum Verständnis von Literatur, zusammen. In ihrer methodischen Ausrichtung ist die Kognitive Poetik damit eine Tochterdisziplin des jungen Feldes der sozialen Neurowissenschaften, die sich der Untersuchung kognitiver Korrelate sozialer Prozesse im menschlichen Gehirn widmen.

Innerhalb des genannten Forschungsparadigmas lassen sich aktuell thematische Spezialisierungsfelder ausmachen (zumeist verbunden mit einzelnen Forscherpersönlichkeiten), obwohl ein integrativer programmatischer Ansatz bislang nicht formuliert worden ist. Dominierende Ansätze hierbei sind ein (kognitions-)psychologischer, ein linguistischer sowie evolutionsbiologisch orientierter Ansatz. Dennoch gehen die verschiedenen Ansätze oder Ausrichtungen von bestimmten gemeinsamen Grundannahmen aus.

  1. Els Andringa: Cognitive Poetics. In: Gerhard Lauer und Christine Ruhrberg (Hrsg.): Lexikon Literaturwissenschaft · Hundert Grundbegriffe. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010810-9, S. 50–53, hier S. 50.