Kommunikative Bibelübersetzung
Mit dem Begriff kommunikative Bibelübersetzung bezeichnet man einen Typ von Bibelübersetzung, der die Kommunikationswirksamkeit zur ersten Norm nimmt, also das Verständnis des Rezipienten bzw. die „Wirkungstreue“. Man spricht auch von „dynamischer“, „funktionaler“ und „kommunikativer“ Äquivalenz, womit eine Gleichwertigkeit von Ziel- und Ausgangstext hinsichtlich gleicher „kommunikativer Werte“ (gleichwertige kommunikative Wirkung bzw. Funktion), nicht notwendig auch gleicher Bedeutung (Sinntreue) gemeint ist. Ausdrücke, die in der Zielsprache uneindeutig gebraucht werden, werden bei diesem Übersetzungstyp vermieden. Das verunmöglicht oft Formulierungen, die der Satzstruktur oder der Semantik der Einzelworte des Ausgangstextes parallel bleiben („formale Äquivalenz“). Derartige „wörtlichere“ Bedeutungen werden hin und wieder ergänzend beigegeben. Bei der zunehmenden Säkularisierungstendenz unserer Gesellschaft werden die Bibel und ihr Inhalt von immer weniger Menschen verstanden. Ziel einer kommunikativen Bibelübersetzung ist es, hier Abhilfe zu schaffen und die Texte so zu vermitteln, dass sie direkt verstanden werden. Beispiele für kommunikative Übersetzungen des Alten und Neuen Testaments stammen z. B. von dem US-amerikanischen Theologen und Linguisten Eugene Nida.
- ↑ Radegundis Stolze: Hermeneutik und Translation. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2003, S. 147
- ↑ Dieses Konzept geht v. a. zurück auf Rudolf Schottlaender: Zur Aktualisierung antiker Dramatik. Der Grundsatz des wirkungsgetreuen Übersetzens. In: J. Harmatta, W. O. Schmitt (Hrsg.): Übersetzungsprobleme antiker Tragödien. Berlin 1969, S. 89–93, sowie Hans J. Vermeer: Zur Beschreibung des Übersetzungsvorgangs. In: W. Wilss, G. Thome (Hrsg.): Aspekte der theoretischen, sprachbezogenen und angewandten Sprachwissenschaft. Heidelberg 1974. Vermeer ist später von seiner Forderung der „Wirkungstreue“ abgerückt, vgl. das Nachwort zum Wiederabdruck des Textes in: W. Wilss (Hrsg.): Übersetzungswissenschaft. Darmstadt 1981, S. 250–262. Eine Klassifikation von Bibelübersetzungen nach „strukturtreu“, „sinntreu“, „wirkungstreu“ wird z. B. vorgeschlagen von Heidemarie Salevsky: Übersetzungstyp, Übersetzungstheorie und Bewertung von Bibelübersetzungen. In: Walter Gross (Hrsg.): Bibelübersetzung heute. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2001, S. 119–150.
- ↑ E. A. Nida: Towards a science of translation, with special reference to principles and procedures involved in Bible translating. Leiden: Brill 1964. Vgl. zur Rezeption von Begriffsbildung und Konzept z. B. Kirk 2005, 92ff.
- ↑ Begriffsbildung und Klassifikation gehen zurück auf K. Reiß/H. J. Vermeer 1984.
- ↑ Hannelore Jahr: Die verschiedenen Typen der Bibelübersetzung.
- ↑ Für die zugrundeliegenden Übersetzungsprinzipien argumentieren z. B. J. de Waard, E. A. Nida: From one Language to Another. Functional Equivalence in Bible Translation. Nelson, Nashville 1986.