Komplexität

Komplexität (lateinisch complexum, Partizip Perfekt Aktiv von complecti „umschlingen“, „umfassen“ oder „zusammenfassen“) bezeichnet eine große Anzahl und Unterschiedlichkeit von Elementen, die untereinander in vielfältigen Wechselbeziehungen, Strukturen und Prozessen in einem Gesamtzusammenhang stehen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch fand das Wort seit den 1970er Jahren zunehmende Verbreitung. Neben dem „hohen Maß an Vielschichtigkeit“ wird das Adjektiv komplex häufig im Sinne von kompliziert verwendet, obwohl Letzteres von Komplikation abgeleitet ist und meist die subjektive Bewertung einer Situation betrifft, während Komplexität eine objektive Eigenschaft verschiedener Systeme erfasst; beide Begriffe demnach nicht synonym sind.

Praktisch alle Wissenschaften setzen sich heute mit komplexen Phänomenen auseinander. Fachsprachlich wird demnach eine Vielzahl unterschiedlicher Begriffsdefinitionen angeboten. Aufgrund der Tiefgründigkeit des Begriffes, der nicht auf einfache Prinzipien reduziert werden kann, ist die folgende Beschreibung lediglich als exemplarische Zusammenfassung der häufig übereinstimmenden Merkmale zu verstehen:

Komplexe Ordnungen sind ständig im Wandel. Die Zunahme von Komplexität wird als „positive“, die Abnahme als „negative“ Komplexifikation bezeichnet.

Oftmals offenbart sich die tatsächliche Komplexität eines Sachverhaltes durch den Aufwand (Anzahl der Methoden, Werkzeuge und Medien), der zu seiner modellhaften Darstellung betrieben werden muss. Dies wird als deskriptive Komplexität bezeichnet. Es gibt auch Stimmen, die Komplexität nicht für eine objektive Eigenschaft halten, sondern für eine subjektive Einschätzung eines Beobachters sowie der Sprache, die gewählt wird, um dies zu beschreiben.

In der Regel ist die Vielzahl von Elementen nur die Grundlage für Komplexität. Erst die weitaus höhere Zahl von Verknüpfungen zum Informations-, Stoff- oder Energieaustausch zwischen den Elementen führt zu Komplexität. Sie sind aus verschiedenen Gründen deutlich schwieriger zu untersuchen als die Elemente: Zeitliche Vorgänge sind in solchen Zusammenhängen entscheidender als die räumlichen Strukturen. Die ständigen Veränderungen unterliegen intrinsischen – oftmals chaotischen – Gesetzmäßigkeiten, die dem Zusammenhalt eines Ganzen dienen, sodass ein Verständnis nur entstehen kann, wenn die Grenzen des Ganzen und seine Regeln bekannt sind. Selbst dann bleiben jedoch viele Wirkungen unverstanden oder werden dem Zufall zugeschrieben.

Einige Autoren sind der Ansicht, dass Komplexität nicht definiert werden kann, weil sie keine objektive Eigenschaft sei, sondern vor allem von der Auffassung und sprachlichen Beschreibung eines Beobachters abhängt.

  1. Komplex. Duden online, abgerufen am 28. September 2013.
  2. 1 2 Bernhard Waltl: Beschreibung, Modellierung und interdisziplinäre Analogien von Komplexität und komplexen Systemen. Dissertation an der Technischen Universität München, 2013, PDF, S. 3, 6–7
  1. Nönnig, S. 86–87.
  2. Nönnig, S. 87–88, 97–98.
  3. Nönnig, S. 77, 86—87, VIII.
  4. Nönnig, S. 94–95.
  5. Nönnig, S. 95–96.
  6. Nönnig, S. 91 93.
  7. Nönnig, S. 72.
  8. Nönnig, S. 91–93.
  9. Nönnig, S. 72.
  10. Nönnig, S. 98.
  11. Nönnig, S. 95–96.
  12. Nönnig, S. 92.
  1. Straubinger, S. 6.
  2. Straubinger, S. 16.
  3. Straubinger, S. 11.
  4. Straubinger, S. 12.
  5. Straubinger, S. 12.
  6. Straubinger, S. 16.
  7. Straubinger, S. 11.
  8. Straubinger, S. 16.
  9. Straubinger, S. 6, 8, 16.