Kontinentalwestgermanisches Dialektkontinuum

Der Begriff kontinentalwestgermanisches Dialektkontinuum bezeichnet ein nur noch in Teilen intaktes innerwestgermanisches Dialektkontinuum in Mittel- und Westeuropa. Es umfasst (bzw. umfasste) die dort in einem zusammenhängenden Gebiet gesprochenen oberdeutschen, mitteldeutschen, niederdeutschen, westfriesischen und niederfränkischen Dialekte, die heute einer der standardisierten Dachsprachen Deutsch, Niederländisch, und Luxemburgisch zugerechnet werden.

Die folgenreichste Veränderung, die das kontinental-westgermanische Dialektkontinuum erfahren hat, war die Verschmelzung des niederdeutschen und des hochdeutschen Gebiets zu einem einzigen deutschen Sprachraum – nicht so sehr durch eine Veränderung der gesprochenen Sprachgewohnheiten der Beteiligten, sondern vielmehr durch die allmähliche „Überdachung“ des niederdeutschen Gebiets durch die sich entwickelnde (hoch)deutsche Standardsprache ab dem 15. Jahrhundert und den damit einhergehenden Verlust der Standardsprachenfunktion des Niederdeutschen.

Der zunehmende Bildungsgrad weiter Teile der Bevölkerung im 19. Jahrhundert und die damit verbundene Verbreitung und Verwendung der Standardsprachen in allen Bevölkerungsschichten spaltete das Dialektkontinuum, das heute nur noch teilweise und in unterschiedlichen Stadien des Verfalls erhalten geblieben ist.

  1. Maarten van den Toorn, Wil Pijnenburg, Arjan van Leuvensteijn und Joop van der Horst (hrsg.): Geschiedenis van de Nederlandse taal, Amsterdam University Press, Amsterdam, 1997, S. 149–150.
  2. C. Hoppenbrouwers, G. Hoppenbrouwers: De indeling van de Nederlandse streektalen: dialecten van 156 steden en dorpen geklasseerd volgens de FFM. Uitgeverij Van Gorcum, Assen 2001, S. 56–60.