Korkmodell

Ein Korkmodell ist ein vorwiegend aus Kork gefertigtes Architekturmodell. Die Kunst der Korkbildnerei wird auch als Phelloplastik (griechisch φελλός phellos, deutsch Kork) bezeichnet.

Als Vorläufer können aus Kork gefertigte Weihnachtskrippen gelten, die in Neapel bereits seit dem 16. Jahrhundert gefertigt wurden. Die Erfindung des Baus von Architekturmodellen aus Kork wurde Augusto Rosa in Rom zugeschrieben, doch waren bereits zuvor Giovanni Altieri (belegt 1766/67–1790) und Antonio Chichi (1743–1816) als Hersteller von Korkmodellen in Rom tätig. Die Modelle von Chichi wurden mit großem Erfolg von Carl May (1747–1822, Erfurt und Aschaffenburg) kopiert. Weitere Korkmodelle des 19. Jahrhunderts sind von Luigi Carotti (Rom), Carlo Lucangeli (1747–1812, Rom, Neapel), Domenico, Agostino und Felice Padiglione (Neapel) und Auguste Pelet (1785–1865, Nîmes) bekannt. Ein zeitgenössischer Phelloplastiker ist Dieter Cöllen.

Das Wort Phelloplastik wurde von Karl August Böttiger gebildet, wie dieser selbst mitteilt in einer Anmerkung zu dem Artikel Ueber Herrn Mey's Felloplastik von Jakob Dominikus in Der Neue Teutsche Merkur: Man wird mir dieses neugeschaffene, aber nach der Analogie von ὰνδριαντοπλαςτικὴ, κηροπλαςτικὴ u. s. w. gebildete Wort gern verzeihen, wenn man aus dieser interessanten Nachricht den sinnreichen und einer weit allgemeinern Unterstützung würdigen Künstler genauer kennen lernte. Φελλος nannten die Griechen die Korkeiche und ihre Produkte. Mithin heißt Felloplastik Bildnerey in Kork.

Dargestellt wurden überwiegend antike Gebäude, da Kork sich besonders gut dafür eignet, die charakteristischen verwitterten Maueroberflächen wiederzugeben. In der Regel wurden sie in großen Maßstäben und mit großer Präzision, häufig auch mit archäologischem Anspruch hergestellt. An den Fürstenhöfen des 18. Jahrhunderts waren sie hochgeschätzt, und obwohl (oder weil) wegen des hohen Aufwandes nur einige hundert Stück hergestellt wurden, waren sie an allen wichtigen Fürstenhöfen vertreten. Da sie im späten 18./frühen 19. Jahrhundert häufig an die damals neu gegründeten Modellsammlungen und Architekturschulen überwiesen wurden, spielten sie eine große Rolle in der Vermittlung der antiken Architektur in den Ländern nördlich der Alpen. Trotz ihrer Fragilität haben sie sich häufig besser erhalten als hölzerne Modelle, die von holzzerstörenden Insekten bedroht sind.

  1. Franz Oberthür: Über den Erfinder der Phelloplastik. In: Journal des Luxus und der Moden 20, 1805, S. 288–290 (Digitalisat); Oberthür lebte bei seinem Romaufenthalt im Haus von Augusto Rosa.
  2. Nina Zimmermann-Elseify: Korkmodelle der Gegenwart. Modelle antiker Bauten von Dieter Cöllen. In: Antike Bauten. Korkmodelle von Antonio Chichi 1777–1782. Katalog bearbeitet von Peter Gercke und Nina Zimmermann-Elseify (= Kataloge der Staatlichen Museen Kassel 26). Staatl. Museen Kassel, Kassel 2001, ISBN 3-931787-13-3, S. 45–55; Website Atelier Dieter Cöllen.
  3. Gemeint ist Carl May (1747–1822), für den es zwei Schreibweisen gibt
  4. Jg. 1800, I. Teil, S. 325–336, hier S. 325 (Digitalisat); wiederabgedruckt in: Werner Helmberger, Valentin Kockel (Hrsg.): Rom über die Alpen tragen. Arcos, Landshut/Ergolding 1993, ISBN 3-9802205-9-1, S. 85.
  5. Statuenbildnerei
  6. Wachsbildnerei