Kräuterfrau

Als Kräuterfrau (veraltet auch Kräuterweib und besonders in Märchen auch Kräuterweiblein) wird eine weibliche Person bezeichnet, die sich auf das Sammeln und Anwenden von Heilkräutern versteht. Kaspar Stieler nannte noch die lateinische Bezeichnung „herbaria“ für eine Kräuterfrau, die Kräuter suchte, damit handelte oder damit heilte. Es gab auch Kräutermänner.

Vor allem seit dem Mittelalter ist bekannt, dass Kräuterfrauen besonders bei Frauenleiden sowie in ländlichen Gegenden gefragt waren, wo keine Ärzte ansässig und ohnehin zu teuer für die unteren Gesellschaftsschichten waren. Die Apotheker ließen von Kräuterfrauen die für Arzneimittel benötigten Kräuter sammeln, doch stellten diese auch eine Konkurrenz für die Apotheken dar, weil sie ihre Kräuter und selbsthergestellten Arzneien selber verkauften.

Mythen und Märchen, die sich um die mittelalterlichen Hexen ranken, entsprangen häufig dem Gebrauch psychotroper Pilze (etwa des Fliegenpilzes) durch „Kräuterweiblein“.

  1. Kräuterweib. In: Duden.de. Abgerufen am 18. September 2022.
  2. Kräuterfrau. In: Duden.de. Abgerufen am 18. September 2022.
  3. Kräuterweiblein. In: Duden.de. Abgerufen am 22. September 2022.
  4. Jacob Grimm: Deutsches Wörterbuch. S. Hirzel Verlag, 1873, S. 2115.
  5. Joachim Heinrich Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache, F bis K. Schulbuchhandlung, Braunschweig 1808, S. 1040.
  6. Jana Madlen Schütte: Medizin im Konflikt: Fakultäten, Märkte und Experten in deutschen Universitätsstädten des 14. bis 16. Jahrhunderts. Brill, 2017, ISBN 978-90-04-33159-4, S. 17, 57, 291.
  7. Rechts- und Verfassungsgeschichte der Bayerischen Städte: Beiträge der 2. Tagung der Gesellschaft für Bayerische Rechtsgeschichte. Verlag C. H. Beck, 2010, ISBN 978-3-406-11188-4, S. 649.
  8. Thomas Elbert, Brigitte Rockstroh: Psychopharmakologie: Anwendung und Wirkungsweise von Psychopharmaka und Drogen. Springer, 1990, ISBN 3-642-75276-4, S. 289.