Kulturanthropologie

Kulturanthropologie ist ein Teilbereich der Ethnologie (früher Völkerkunde, heute auch Sozial- und Kulturanthropologie), die den Menschen in seinem Verhältnis zu seiner Kultur untersucht. Der Begriff ist eine direkte Übersetzung aus dem Englischen (cultural anthropology). In Amerika bezeichnet cultural anthropology eine von vier Forschungsfeldern innerhalb der Wissenschaft vom Menschen (anthropology): Physical anthropology beschäftigt sich mit dem Menschen als biologischem Lebewesen, also seiner Evolution, seinen physischen Adaptationen und seinem Verhalten; die linguistic anthropology erforscht die Fähigkeit des Menschen zur sprachlichen Kommunikation in all ihren Formen; die archaeology untersucht die Ur- und Frühgeschichte des Menschen anhand materieller Befunde aus der Vergangenheit und die cultural anthropology befasst sich ganzheitlich (holistisch) und weltweit empirisch und vergleichend mit kulturellen Ordnungen, Symbolsystemen und Praktiken.

Die Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie betont die Parallelen der Methoden der Kulturanthropologie mit denen der Sozialanthropologie und der Ethnologie: Diese Wissenschaften befassen sich mit der „Vielfalt menschlicher Lebensweisen aus einer primär gegenwartsbezogenen Perspektive. Die Gegenstandsbereiche der Disziplin sind entsprechend breit gefächert: sie umfassen die sozialen, wirtschaftlichen, politischen und religiösen Organisationsformen sowie die Norm- und Wertsysteme, die menschliches Handeln motivieren“. Sie nähern sich ihren Themen in „lokal verdichteter Weise und aus der emischen Perspektive“, d. h. der Forscher nimmt dabei einen Standpunkt innerhalb eines Systems oder einer Kultur ein.

  1. E. N. Anderson: Four-Field Anthropology. In: Anthropology News. Band 44, Nr. 5, 1. Mai 2003, ISSN 1556-3502, S. 3, doi:10.1111/an.2003.44.5.3.2 (englisch, Vollversion).
  2. Über unsere Disziplin, auf dgska.de