Kunsthaus Zürich

Kunsthaus Zürich

Links: Moserbau, rechts: Pfisterbau mit dem grossen Ausstellungssaal und dem Kunsthausrestaurant im Erdgeschoss (2020)
Daten
Ort Heimplatz 1 und 5
8001 Zürich
Schweiz
Art
Kunstmuseum
Architekt Karl Moser
Curjel & Moser, 1910, 1925
Gebrüder Pfister, 1958
Erwin Müller, 1976
Chipperfield Architects Berlin, 2021
Eröffnung 1910
Besucheranzahl (jährlich) 539’953 (2025)
Betreiber
Leitung
Ann Demeester, Direktorin und Leiterin Kunst
Remo Longhi, Leitung Operations, Alex Hefter, Leitung Publikum
Website
ISIL CH-000273-5

Das Kunsthaus Zürich ist mit 11'500 Quadratmeter Ausstellungsfläche das grösste Kunstmuseum der Schweiz. Es besteht aus einem vierteiligen Gebäudekomplex, dem alten, dreiteiligen Gebäudetrakt Moserbau, Bührlesaal und Müllerbau sowie dem 2021 eröffneten Erweiterungsbau von Chipperfield Architects Berlin. Die Bauten säumen, wie das in unmittelbarer Nähe liegende Schauspielhaus Zürich, den Heimplatz der Stadt Zürich. Das Kunstmuseum beherbergt eine der grössten Kunstsammlungen des Landes, besitzt die umfangreichste Sammlung von Werken des Schweizer Bildhauers, Malers und Grafikers Alberto Giacometti sowie eine der bedeutsamsten des Dadaismus. Zudem gehört dem Museum der repräsentativste Bestand an Gemälden von Edvard Munch ausserhalb Norwegens.

Der Verein Zürcher Kunstgesellschaft betreibt das Museum und ist Eigentümer der Kunstsammlung. Er ging im Sommer 1896 aus der Fusion der Zürcher Künstlergesellschaft und des Vereins Künstlerhaus hervor. Von der Stadt Zürich wird die Zürcher Kunstgesellschaft seit der Eröffnung des Chipperfield Erweiterungsbaus mit einem jährlichen Betriebsbeitrag von 13,3 Millionen Schweizer Franken unterstützt. Die Betreiberin des Hauses hat 2025 fast 6 Millionen Franken Schulden. Der Präsident ist Philipp Hildebrand.

Die Vereinigung Zürcher Kunstfreunde wurde 1917 gegründet, «mit dem Ziel, das Kunstleben in der Limmatstadt zu fördern», insbesondere mit dem «Ankauf von Werken, die dem Kunsthaus Zürich zur Ergänzung und zum Ausbau seiner […] Sammlung als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt werden.»

Die Stiftung Zürcher Kunsthaus, gegründet 1954, ist die Eigentümerin der Liegenschaften. Sie überlässt diese der Zürcher Kunstgesellschaft kostenlos. Von der Stadt Zürich erhält sie – Stand 2025 – einen jährlichen Beitrag von fast 5 Millionen Schweizer Franken.

Bereits vor und insbesondere mit dem Einzug der seit Jahrzehnten umstrittenen Privatsammlung des Rüstungsindustriellen Emil G. Bührle in den Erweiterungsbau im Oktober 2021 entbrannte eine heftige, weltweit geführte Debatte. In der Folge musste die Zürcher Kunstgesellschaft den Dauerleihvertrag von 2012 offenlegen und 2022 mit der Stiftung Emil G. Bührle einen neuen aushandeln. Im neuen Subventionsvertrag 2022 mit der Stadt Zürich ist das Einhalten der Washingtoner Prinzipien sowie der, ebenfalls von der Schweiz mitunterzeichneten Folgeerklärungen explizit geregelt. Laut diesem Vertrag stellt das Kunsthaus keine Werke aus, bei denen substantiierte Hinweise auf NS-verfolgungsbedingten Entzug bestehen. Der Historiker Raphael Gross, 2023 von der Stadt, dem Kanton und der Zürcher Kunstgesellschaft beauftragt, die stiftungsinterne Provenienzforschung der Sammlung Bührle zu überprüfen, hält im Juni 2024 fest, dass diese nicht ausreiche, um die von der Kunstgesellschaft Zürich und ihren Zuwendungsgebern im Subventionsvertrag festgelegten Massstäbe zu erfüllen. So stellte Gross unter anderem fest, dass bei 62 Werken mit jüdischem Vorbesitz im Zeitraum 1933 bis 1945 noch weitere Forschungsleistung zu erbringen sei. Ende September 2025 wurde die Bührle-Sammlung bereits zum zweiten Mal für einen grösseren Umbau geschlossen. Erst 2027 soll die komplette Sammlung wiedereröffnet werden. Im Oktober 2025 wurde öffentlich bekannt, dass die Bührle-Stiftung ihren Stiftungszweck angepasst und den entscheidenden Passus gestrichen hat. Die Sammlung soll nicht mehr zwingend in Zürich gezeigt werden. Im November 2025 war zu erfahren, dass die Stadt Zürich beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde gegen die Statutenänderung der Bührle-Stiftung einreichte.

  1. Über eine halbe Million Menschen besuchen das Zürcher Kunsthaus. In: Keystone-SDA, Swissinfo, 21. Januar 2026, abgerufen am 24. Januar 2026.
  2. Ellinor Landmann: Gespräch mit Ann Demeester – Neue Kunsthaus-Chefin: «Ich würde mich gern entschuldigen.» In: Radio SRF 2, Kultur, Kultur-Nachrichten. 29. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.
  3. Faktenblatt – Betriebskennzahlen 2021. (PDF; 130 kB) Kunsthaus Zürich, abgerufen am 23. Juni 2022.
  4. Hochbaudepartement der Stadt Zürich, Amt für Hochbauten: Stiftung Zürcher Kunsthaus, Kunsthaus Zürich, S. 3: «In einem abstrakten Baukörper schwebt der 70 x 18 Meter grosse, stützenfreie Bührle-Saal, benannt nach seinem Stifter, quer zum Stammhaus und ist mit diesem über gläserne Gänge verbunden.» S. 8: Bildlegende, «Bührlesaal (1958)», Zürich, September 2005.
  5. Kunsthaus Zürich: Die Sammlung. «[…] Zu den Highlights gehören […] der grösste Bestand an Gemälden von Edvard Munch ausserhalb Norwegens.[…] ». Das Kunsthaus Zürich listet in seiner Sammlung Online 28 Werke von Edvard Munch sowie ein Ausstellungsplakat auf. Abgerufen am 19. März 2023.
  6. Statuten der Zürcher Kunstgesellschaft, Stand 19. Juni 2023. In: Kunsthaus Zürich, abgerufen am 26. August 2024.
  7. Engagement mit Verantwortung und Tradition. In: Kunstfreunde Zürich. Abgerufen am 7. April 2025
  8. Vertrag zwischen der Stadt Zürich und der Zürcher Kunstgesellschaft über die Errichtung einer Stiftung zur Verwaltung des Kunsthauses (AIt- und Neubau) und die sich daraus ergebenden gegenseitigen Verpflichtungen vom 29. Mai 1953 mit Änderungen bis 2. März 1988. Inkrafttreten 7. Februar 1954. In: Stadt Zürich. Abgerufen am 7. April 2025.
  9. Website Stiftung Zürcher Kunsthaus, abgerufen am 26. August 2024.
  10. Isabel Pfaff: Raubkunst hinter nobler Fassade. In: Süddeutsche Zeitung. 14. November 2021, abgerufen am 7. November 2025.
  11. Neue Vereinbarung zwischen Zürcher Kunstgesellschaft und Stiftung Sammlung E. G. Bührle ersetzt Vertrag 2012. Kunsthaus Zürich, Sammlung Emil Bührle, 24. Februar 2022, abgerufen am 3. November 2023 (Medienmitteilung, mit Werkverzeichnis sowie altem und neuem Vertrag im Anhang; PDF; 12,4 MB).
  12. Subventionsvertrag zwischen der Stadt Zürich und der Zürcher Kunstgesellschaft, AS-Nr: 442.110, 9. Februar 2022 / 22. März 2023 mit Änderungen bis 8. November 2023, Il. Pflichten der Zürcher Kunstgesellschaft, A Allgemeine Vorgaben, Art. 5–9. Abgerufen am 26. August 2024.
  13. Subventionsvertrag zwischen der Stadt Zürich und der Zürcher Kunstgesellschaft vom 9. Februar 2022 / 22. März 2023 mit Änderungen bis 2. April 2025. Art. 7 1 Die Zürcher Kunstgesellschaft prüft die Provenienzen der Werke der Dauerleihgaben und trifft daraus die angezeigten Massnahmen. Sie stellt insbesondere keine Werke aus, bei denen substantiierte Hinweise auf NS-verfolgungsbedingten Entzug nach den Richtlinien gemäss Art. 5 Abs. 2 bestehen. In: Stadt Zürich. 1. April 2025, abgerufen am 21. November 2025.
  14. Überprüfung der Provenienzforschung der Stiftung Sammlung E. G. Bührle. Bericht von Prof. Dr. Raphael Gross, S. 129. In: Stadt Zürich, Kultur, Juni 2024, abgerufen am 26. August 2024.
  15. Überprüfung der Provenienzforschung der Stiftung Sammlung E. G. Bührle. Bericht von Prof. Dr. Raphael Gross, S. 130–131. In: Stadt Zürich, Kultur, Juni 2024, abgerufen am 26. August 2024.
  16. Geschlossen wegen Umbau Sammlung Bührle. In: Kunsthaus Zürich visitor guide. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  17. Marius Huber: Die Bührle-Stiftung wendet sich von Zürich ab: Sie befreit sich vom Zwang, ihre Bilder in der Stadt auszustellen – nach anhaltender Kritik wegen der Herkunft der Werke. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Oktober 2025, abgerufen am 23. Oktober 2025.
  18. Daniel Krähenbühl: Möglicher Wegzug von Bührle-Stiftung: Stadt legt Beschwerde ein. In: 20 Minuten. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025.
  19. Samira Kunz: Stadt geht rechtlich gegen möglichen Wegzug der Bührle-Sammlung vor. In: Tages-Anzeiger. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025.
  20. Änderung Stiftungszweck Sammlung E. G. Bührle: Beschwerde gegen kantonale Stiftungsaufsicht. In: Stadt Zürich. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025.
  21. thon, ollk, bue, sten, yakr, noes: Stadt wehrt sich gegen möglichen Wegzug der Bührle-Sammlung. In: SRF, Regionaljournal Zürich Schaffhausen. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025.
  22. Victor Schmid: Anfechtung der Verfügung der Aufsichtsbehörde durch die Stadt Zürich. Die Stiftung bedauert das städtische Vorgehen als unbegründet und erachtet es als wenig konstruktiv. (PDF) In: Sammlung Emil Bührle. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025.