Lebendimpfstoff

Ein Lebendimpfstoff, genannt auch Lebend-Vakzine, besteht im Gegensatz zum Totimpfstoff aus sehr geringen Mengen funktionsfähiger Keime. Sie sind so abgeschwächt (attenuiert), dass sie sich zwar noch vermehren, die Krankheit aber bei immunkompetenten Impflingen nicht mehr auslösen können (Verlust mancher Virulenzfaktoren). Diese (genetischen) Veränderungen können natürlicherweise erfolgen (spontane Mutationen) oder durch gentechnische Veränderung. Verabreicht wird ein Lebendimpfstoff als Spritzimpfung (Injektion) oder als Schluckimpfung (oral).

Falls es sich bei den Krankheitserregern um Viren handelt, ist die Bezeichnung „Lebendimpfstoff“ streng genommen nicht korrekt, da Viren keine Lebewesen sind. Die Bezeichnung hat sich aber trotzdem wie im angelsächsischen Sprachraum (beispielsweise in „Live attenuated influenza virus vaccine“, LAIV) durchgesetzt. Der traditionelle Begriff „Lebendimpfstoff“ ist historisch gewachsen und kann irreführend sein, da Viren keine eigenständigen Lebewesen sind. Präziser ist die Unterscheidung zwischen replikationsfähigen Impfstoffen (attenuierte Viren) und replikationsunfähigen Impfstoffen (inaktivierte Viren oder Virusbestandteile). Die Replikationsfähigkeit im Geimpften ist der entscheidende immunologische Unterschied.

  1. Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie. 5. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-13-125315-6, S. 729 ff.