Lese- und Rechtschreibstörung

Klassifikation nach ICD-10
F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung
F81.1 isolierte Rechtschreibstörung
F81.3 kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Klassifikation nach ICD-11
6A03 Lernentwicklungsstörung
6A03.0 Lernentwicklungsstörung mit Lesebeeinträchtigung
6A03.1 Lernentwicklungsstörung mit Beeinträchtigung im schriftlichen Ausdruck
6A03.Z Lernentwicklungsstörung, nicht näher bezeichnet
ICD-11: EnglischDeutsch (Vorabversion)

Die Lese- und Rechtschreibstörung (LRS), fachsprachlich Legasthenie (von lateinisch legere ‚lesen‘ und altgriechisch ἀσθένεια asthéneia, deutsch Schwäche, also ‚Leseschwäche‘), bezeichnet die massive und lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache (geschriebenen Sprache). Eine bloße Leistungsschwäche hingegen (z. B. von Schülern im Vergleich zu Gleichaltrigen) wird als Lese-Rechtschreib-Schwäche bezeichnet.

Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibstörung haben Probleme mit der Umsetzung der gesprochenen Sprache in geschriebene Sprache (und umgekehrt). Als Ursache werden eine genetische Veranlagung, Probleme bei der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, bei der Verarbeitung von Sprache und vor allem bei der phonologischen Bewusstheit angenommen. Ein eindeutiger, wissenschaftlich fundierter Beweis steht noch aus (Stand März 2021). Die Legasthenie tritt isoliert und erwartungswidrig auf: Das heißt, es gibt für die schriftsprachlichen Probleme ohne gründliche Untersuchung durch einen Neurologen keine plausible Erklärung (wie generelle Minderbegabung oder unzureichende Beschulung).

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie schätzt, dass in Deutschland 4 % der Schüler von einer Legasthenie betroffen sind. Bei frühzeitiger Erkennung können die Probleme in vielen Fällen kompensiert werden; doch je später eine Therapie einsetzt, desto geringer sind in der Regel die erzielbaren Effekte. Dass entsprechende Hoffnungen in der Praxis nur bedingt berechtigt sind, belegt eine Studie der Universitätsklinik München, der zufolge 4 % aller deutschen jungen Erwachsenen nur ein durchschnittliches Rechtschreibniveau von Viertklässlern erreicht haben.

  1. Pschyrembel Medizinisches Wörterbuch. 257. neu bearbeitete Auflage, Sonderausgabe. Nikol, Hamburg 1993, ISBN 3-933203-04-X, S. 859.
  2. Friedhelm Espeter: Von Legasthenie/Dyskalkulie betroffen!. Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. S. 8
  3. Pädagogische Hochschule Heidelberg: Was ist eine LRS?