Lex mercatoria
Als Lex mercatoria bezeichnet man in der Rechtswissenschaft ein im Mittelalter entstandenes Gewohnheitsrecht der Handelsleute, das auf grenzüberschreitende Rechtsgeschäfte angewandt wurde, z. B. in Zeiten der deutschen Hanse vom 13. bis 17. Jahrhundert.
Darüber hinaus bezeichnet es in neuerer Zeit (auch als new merchant law) die Gesamtheit der internationalen Handelsbräuche. Ob die lex mercatoria als eigenständiges Recht der Rechtswahl fähig ist und welche Rechtsnatur sie hat, ist im internationalen Privatrecht lebhaft umstritten. Mit der Realität und Wirkungsweise der neuen lex mercatoria, deren Anwendbarkeit neben nationalem Recht, insbesondere im Rahmen der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit, hat sich zunehmend auch die Rechtssoziologie beschäftigt.
- ↑ Anonymus: Colford's Collection, in the "Little Red Book of Bristol" (late 13th century). In: trans-lex.org. Abgerufen am 25. Februar 2018 (englisch).
- ↑ Zum Streitstand: Klaus Peter Berger: Berger, Klaus Peter, The New Law Merchant and the Global Market Place - A 21st Century View of Transnational Commercial Law. In: trans-lex.org. Abgerufen am 25. Februar 2018 (englisch). – Klaus Peter Berger: The Lex Mercatoria and the TransLex-Principles. In: trans-lex.org. Abgerufen am 25. Februar 2018. – Gunther Teubner: Globale Bukowina. Zur Emergenz eines transnationalen Rechtspluralismus. In: Rechtshistorisches Journal. 1996, S. 255–290, urn:nbn:de:hebis:30-13207 (in der Open-Access-Ausgabe: S. 8–11).
- ↑ Leonid Shmatenko: Is Lex Mercatoria Jeopardizing the Application of Substantive Law? ID 2251144. Social Science Research Network, Rochester, NY 15. April 2013 (ssrn.com [abgerufen am 25. Februar 2018]).
- ↑ vgl. Volkmar Gessner/Ali Cem Budak (Hrsg.) Emerging Legal Certainty: Empirical Studies on the Globalization of Law. Ashgate: Dartmouth 1998 (Oñati International Series in Law and Society)