Ligatur (Paläographie)

Eine Ligatur (auch Buchstabenverbund, mittellateinisch ligatura „Verbindung“, nach lat. ligarī „(ver)bunden werden“) bedeutet in der Schriftgestaltung das Verbinden von Buchstabenelementen und Buchstaben. Das kann die Bildung von weiteren Formen mit neuem Charakter zur Folge haben. Entsprechend den jeweiligen herstellungstechnischen Voraussetzungen unterliegt die Gestaltung von Ligaturen in der geschriebenen Schrift anderen Bedingungen als solche in typografischen Schriften.

Bei der geschriebenen alphabetischen Schrift unterscheidet die Paläografie zwischen Innen- und Außenligatur. Beide sind ein Ergebnis der Ökonomisierung des Schreibvorganges, der durch Verkürzung des Weges, der mit dem Schreibgerät auf dem Trägermedium (Papier, Pergament, Tafel u. dgl.) zurückgelegt wird, gekennzeichnet ist. Beschleunigtes, flüssiges Schreiben ist vorwiegend durch einen länger währenden Kontakt des Schreibgerätes mit dem Schriftträger charakterisiert. Deshalb werden auch jene Bewegungen, die sich sonst teilweise in der Luft vollziehen, als grafische Spur sichtbar. Weil dieser Vorgang meist im Kontext einer allgemeinen Veränderung der Elemente geschieht, entstehen neue Gestalten, die gegenüber der ursprünglichen Form eine neue Qualität im Sinne von „morphologischen Mutationen“ darstellen.

  1. Bernhard Bischoff: Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters. In der Reihe: Grundlagen der Germanistik. Erich Schmidt. 3. Auflage, Berlin 2004, ISBN 3-503-07914-9.
  2. Peter Rück: Ligatur und Isolierung: Bemerkungen zum kursiven Schreiben im Mittelalter. In: Aspekte von Schrift und Schriftlichkeit. Hrsg. J. Baurmann, K.-B. Günther und U. Knoop. Olms. Hildesheim, Zürich New York 1988, S. 112.