Lokaladverbial

Ein Lokaladverbial (auch Lokalbestimmung) ist in der Grammatik ein Satzteil, der dazu dient, die beschriebene Situation – oder Teilaspekte davon – räumlich einzuordnen, oder aber den Geltungsbereich einer Aussage räumlich einzuschränken.

Die Kategorie Lokaladverbial ist grundsätzlich dadurch bestimmt, dass in irgendeinem Sinn „lokale“ bzw. „räumliche“ Wortbedeutungen am Werk sind. Dabei entstehen aber verschiedene inhaltliche Untertypen, die auch verschiedenartige Bedeutungsbeziehungen zum Rest des Satzes eingehen können. Lokaladverbiale bilden dadurch keine einheitliche syntaktische Klasse; es gibt also keine einheitliche Wortstellungsregel für Lokaladverbiale als solche.

Die Bezeichnung Lokaladverbial wird in unterschiedlicher Weise auf die infrage kommenden inhaltlichen Untertypen bezogen. Manchmal sind mit „Lokaladverbial“ nur statische Positionsangaben im Raum gemeint, die mit „wo?“ erfragt werden können. Sie werden dann in einen Gegensatz zu den Direktional- oder Richtungsadverbialen gestellt. Diesem engeren Sinn steht aber ein weiter Sinn gegenüber, in dem die Bezeichnungen Lokaladverbial oder lokales Adverbial benutzt werden, um alle Arten von Adverbialen zusammenzufassen, die sich in irgendeiner Weise auf Orte beziehen: Position, Weg und Richtung. Manchmal wird auch so verfahren, dass Lokaladverbial die weite Bedeutung haben soll, und die engeren Bedeutungen mit den deutschen Ausdrücken Ortsbestimmung bzw. Richtungsbestimmung (oder Orts-/Richtungs-Angabe) unterschieden werden. Im vorliegenden Artikel wird der weitere Sinn zugrunde gelegt und die Klasse der Direktionale als Untergruppe der Lokaladverbiale mitbehandelt.

Die Bezeichnung Adverbiale Bestimmung oder Adverbial bezieht sich auf die grammatische Funktion eines Ausdrucks im Satz und lässt offen, wie der Ausdruck aufgebaut ist. Bei Lokaladverbialen handelt es sich häufig um Präpositionalphrasen (zum Beispiel „in der Küche“), aber es gibt auch Nebensätze, die Ortsangaben machen (Lokalsätze, zum Beispiel „(bleib,) wo du bist“). Als Lokaladverb wird ein Einzelwort bezeichnet, das als Lokaladverbial dienen kann und sich keiner anderen Wortart eindeutig zuordnen lässt, zum Beispiel „dort, oben, wohin, ringsum“.

Lokaladverbiale dienen nicht nur als Modifikatoren bzw. Angaben. Adverbiale können generell auch Argumente sein (Ergänzungen, die vom Verb gefordert werden). Lokaladverbiale sind derjenige Typ von Adverbial, bei dem sich die Funktion als Argument des Verbs am häufigsten findet. Dieses enge Zusammenspiel betrifft Verben der räumlichen Konfiguration, wie zum Beispiel „(auf etwas) sitzen“, oder Verben mit einer Richtungskomponente wie „(etwas irgendwohin) stellen“.

Da lokale Adverbiale als Bedeutungsklasse von Adverbialen definiert sind, wird erwartet, dass sich diese Kategorie in allen Sprachen findet und dass auch die Unterscheidungen innerhalb dieser Kategorie zunächst für alle Sprachen relevant sind. Wie sich diese Kategorien im Zusammenhang der Grammatik bestimmter Einzelsprachen zeigen und verhalten, ist aber variabel. Daher wird im vorliegenden Artikel die Kategorie nur anhand des Deutschen beschrieben.

  1. grammis.de / „Semantisch begründete Adverb-Subklassen“ (abgerufen am 13. März 2025) – Pittner (1999), S. 60 ff. – Zifonun et al. (1997), S. 1150 ff.
  2. Pittner (1999) benutzt diese in unterschiedlicher Bedeutung: „Lokale Adverbiale“ für die übergeordnete Klasse, „Lokaladverbiale“ für Positionsadverbiale.
  3. Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5. Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02641-5. Stichworte „lokal“, „Lokaladverb“ und „Lokalbestimmung“, alle S. 409.
  4. Duden. Die Grammatik (= Der Duden, Band 4). 10. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2022, e-ISBN 978-3-411-91447-0. S. 516 / Rand-Nr. 863, analog auch S. 794 / Rand-Nr. 1385 für Lokaladverbien.
  5. Dieses Vorgehen findet sich z. B. auch in Maienborn (2001) (siehe isb. den Inhaltsüberblick S. 193), die sprachunabhängige Formalisierungen der Semantik anbietet, aber sich auf Beispiele aus dem Deutschen und Englischen beschränkt, die als weitgehend parallel vorgestellt werden.